Als Reinigungskräfte 2018 die verstopften Abflüsse in New Orleans freischaufelten, stießen sie nicht nur auf Blätter und Schlamm, sondern auch auf 46 Tonnen Mardi-Gras-Perlen. Die schiere Menge an Abfall, der sich über Jahrzehnte angesammelt hatte, schockierte Anwohner und Stadtverantwortliche gleichermaßen. »Nach einer solchen Zahl gibt es kein Zurück mehr«, erklärte damals Dani Galloway, damalige Leiterin der öffentlichen Arbeiten. »Wir müssen besser werden.« Doch fast ein Jahrzehnt später produziert New Orleans mehr Mardi-Gras-Müll denn je.

Während der etwa fünfwöchigen Karnevalssaison 2026 sammelten die crews entlang der Parade-Routen 1.363 Tonnen Abfall – darunter Perlenketten, Bierdosen, Plastikbecher und andere Rückstände. Das entspricht einer Steigerung von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ist der höchste jemals gemessene Wert. Die Menge entspricht dem Gewicht von 741 Autos, dem der historischen Dampfschaufel Steamboat Natchez oder über einer Million Königskuchen.

»Angesichts dieser Müllberge ist das einfach absurd«, sagt Brett Davis, Gründer der gemeinnützigen Organisation Grounds Krewe, die sich für nachhaltigere Mardi-Gras-Feiern einsetzt. Seit über einem Jahrhundert ist es Tradition, dass Teilnehmer auf Festwagen »Throws« – billige Plastikartikel wie Perlenketten – ins Publikum werfen. Viele dieser Gegenstände landen innerhalb von Minuten auf dem Boden, werden zertreten und später entsorgt. Problematisch ist dabei nicht nur die schiere Menge, sondern auch die Giftstoffe: Viele Perlen enthalten gefährliche Chemikalien wie Blei.

Stadtvertreter führen den Anstieg zunächst auf die gestiegene Besucherzahl zurück. Die diesjährige Saison dauerte vom 6. Januar bis 17. Februar und umfasste über 30 Umzüge. Laut Downtown Development District besuchten etwa 2,2 Millionen Menschen die Innenstadt – rund 10 Prozent mehr als 2025. »Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist direkt auf die größere Besucherzahl zurückzuführen«, erklärte Matt Torri, Leiter der städtischen Sanierungsbehörde, im März vor dem Stadtrat. »Wer die Paraden dieses Jahr erlebt hat, konnte deutlich mehr Menschen beobachten – was natürlich positiv für die Stadt ist.«

Doch eine Analyse von Verite News zeigt: Es gibt keinen klaren Zusammenhang zwischen Besucherzahl und Müllmenge. Vielmehr steigt der Abfall seit einem Jahrzehnt kontinuierlich an – unabhängig von der Teilnehmerzahl. So zog die Saison 2020 zwar etwa 2,4 Millionen Besucher an, produzierte aber rund 241 Tonnen weniger Müll als 2026. In den frühen 2010er-Jahren lag die Abfallmenge noch deutlich niedriger.

Experten wie Davis warnen vor den langfristigen Folgen: Die überlasteten Abwassersysteme der ohnehin hochwassergefährdeten Stadt werden durch den Plastikmüll zusätzlich belastet. »Wir brauchen dringend Lösungen, um die Tradition zu bewahren, ohne die Umwelt zu zerstören«, so Davis. Die Stadt prüft derzeit strengere Regeln für die Entsorgung und setzt auf Aufklärungskampagnen. Doch ob das reicht, bleibt fraglich.

Quelle: Grist