Der neue Michael-Jackson-Film Michael enttäuscht auf ganzer Linie. Was als Hommage an einen der größten Popstars aller Zeiten angekündigt wurde, entpuppt sich als langweiliges, oberflächliches Biopic, das kaum mehr als eine glattgebügelte Wikipedia-Seite mit Soundtrack ist. Selbst dieser Vergleich wäre noch zu viel des Lobes. Denn während selbst Wikipedia-Seiten berühmter Persönlichkeiten meist einen Abschnitt zu Kontroversen enthalten, wird in diesem Film jeder noch so kleine Konflikt in Jacksons Leben elegant umgangen. Die Geschichte wird so glattgebügelt, als hätte ein Zamboni-Fahrzeug über die rauesten Stellen seiner Karriere gefahren – aus Angst vor Perspektive oder gar Einsicht.
Das Ergebnis? Ein Film, der so langweilig ist wie Krankenhauskost. Und am Ende wünscht man sich fast, der Film wäre tatsächlich ein tragisches Ende genommen. Vielleicht hätte man ihn besser Mehchael nennen sollen.
Ja, es gibt einen Konflikt: die Beziehung zu seinem dominanten und missbräuchlichen Vater, der Jackson als Kind demütigte und später sein Leben kontrollieren wollte. Doch dieser Handlungsstrang kratzt nur an der Oberfläche der tatsächlichen Vorwürfe und des Leidens, das Jackson durch seinen Vater erfahren haben soll. Spannung kommt hier keine auf.
Dass der Film unter diesen Umständen entstanden ist, macht eine ehrlichere Darstellung nahezu unmöglich. Die Jackson-Familie war in die Produktion involviert, was zwangsläufig zu einer Beschönigung der familiären Traumata führte. Doch das ist nicht das einzige Problem: Nach Abschluss der Dreharbeiten musste der Film komplett umgeschrieben werden, weil das Ende rechtlich nicht verwertbar war. Wie das Wall Street Journal berichtet, sollte der ursprüngliche Schluss ein Drittel des Films einnehmen und sich mit der 1993 eingereichten Klage eines 13-jährigen Jungen befassen, der Jackson der sexuellen Belästigung beschuldigte. Jackson bestritt die Vorwürfe. Doch das Jackson-Imperium erkannte erst nach den Dreharbeiten, dass eine bereits getroffene Vergleichsvereinbarung mit der Familie des Klägers jede kommerzielle Nutzung dieser Episode verbot. Plötzlich durfte die Geschichte nicht mehr erzählt werden – also wurde der Film umgeschrieben und konzentrierte sich stattdessen auf die Konflikte mit dem Vater. Doch selbst dieser Handlungsstrang wurde so stark entschärft, dass er kaum noch Bedeutung hat.
Übrig bleibt vor allem die Musik – insbesondere die Megahits aus den frühen 1980er-Jahren, die Jackson zum Superstar machten. Seine Soloalben, allen voran Thriller, sind unbestrittene Meisterwerke des Pop. Produziert von Quincy Jones, besticht das Album durch eingängige Rhythmen und ein klangliches Meisterwerk, das in der analogen Ära auf einem nahezu unbegrenzten Budget entstand. Ein Film über Michael Jackson hätte zumindest die Chance geboten, diese Musik in ihrer vollen Pracht zu präsentieren – besonders für ein Publikum, das Thriller noch nie in seiner ursprünglichen Klangqualität erlebt hat. Wer Beat It noch nie auf hochwertigen Lautsprechern gehört hat, sollte das schleunigst nachholen. Doch der Film Michael verpasst diese Chance. Statt die Musik in ihrer ganzen Tiefe erlebbar zu machen, wird sie durch moderne Surround-Sound-Mixe und überlagernde Dialoge verschleiert. Es klingt besser als billige Ohrstöpsel – aber das ist auch schon alles.