Der Seminolen-Stamm in Oklahoma hat als erster indigener Stamm in den USA den Bau von Datencentern auf seinem Land verboten. Als ein Technologie-Startup mit Vertretern des Stammes eine Geheimhaltungsvereinbarung und eine Absichtserklärung zum Bau eines Datencenters auf Stammesgebiet unterzeichnen wollte, lehnte der Stammesrat dies einstimmig ab. Mit 24 zu 0 Stimmen beschloss der Rat stattdessen ein dauerhaftes Moratorium für Datencenter.

Doch der Seminolen-Stamm ist nicht der einzige, der sich gegen die aggressiven Pläne von Tech-Unternehmen wehrt. Aktivisten berichten, dass Entwickler von Datencentern in den gesamten USA mit tückischen Methoden versuchen, ihre Serverfarmen auf indigenem Land zu errichten – oft gegen den Willen der betroffenen Gemeinschaften.

Taktiken: Von erneuerbaren Energien zur Serverfarm

Eine der gängigsten Strategien ist der sogenannte „Bait-and-Switch“. Dabei werben Unternehmen zunächst mit Plänen für erneuerbare Energien wie Solaranlagen, um das Vertrauen indigener Gemeinschaften zu gewinnen. Doch kurz vor der Umsetzung wird das Projekt plötzlich in ein Datencenter umgewandelt.

„Verschiedene indigene Nationen berichten uns, dass Konzerne zunächst über Solarpaneele sprechen, die auf ihrem Land installiert werden sollen. Doch schnell wird daraus ein Plan für ein hyperskaliertes Datencenter“, erklärt Krystal Two Bulls, Exekutivdirektorin der Umweltorganisation Honor the Earth und Mitinitiatorin der Kampagne gegen Datencenter auf indigenem Land. „Oft fordern sie bereits vor diesen Gesprächen die Unterzeichnung einer Geheimhaltungsvereinbarung. Dadurch sind unsere Stammesführer nicht mehr den Menschen gegenüber verantwortlich, die sie vertreten sollen.“

Für Aktivisten und betroffene Gemeinschaften bedeutet dies, dass geplante Datencenter-Projekte oft erst spät – wenn überhaupt – öffentlich bekannt werden. Two Bulls erklärt: „Häufig erfahren wir erst aus Pressemitteilungen, Nachrichten oder Gerüchten von solchen Vorhaben, wenn sie bereits weit fortgeschritten sind.“

Warum indigene Länder besonders gefährdet sind

Datencenter-Entwickler suchen gezielt ländliche Regionen in den USA, um ihre Serverfarmen zu bauen. Doch indigene Gemeinschaften gelten als besonders attraktive Ziele. Gründe dafür sind der Zugang zu großen Wassermengen, steuerliche Vergünstigungen und die wirtschaftliche Notlage vieler Stämme – eine Folge jahrhundertelanger Ausbeutung und Vernachlässigung.

„Wenn man mit Gemeinschaften spricht, die oft in extremer Armut leben, ist das Versprechen von Arbeitsplätzen verlockend“, sagt Two Bulls. „Hinzu kommen rechtliche Grauzonen auf indigenem Land. All diese Faktoren schaffen ein Umfeld, das den Bau von hyperskalierten Datencentern begünstigt.“

Gegen die Macht der größten Konzerne der Welt scheint Organisation der einzige Weg zu sein. Dank Initiativen wie der „No Data Centers Coalition“, die Honor the Earth 2025 ins Leben gerufen hat, gewinnen die Stimmen der indigenen Gemeinschaften zunehmend Gehör. Auch Politiker auf lokaler, staatlicher und Bundesebene zeigen sich zunehmend besorgt über die undurchsichtigen Praktiken der Tech-Branche.

Quelle: Futurism