Die NFL wird seit 18 Tagen von einer Kontroverse erschüttert, die auch den Patriots-Coach Mike Vrabel betrifft. Sein Fehlen bei einem wichtigen Arbeitstermin wirft nun Fragen über seine Beziehung zum Besitzer Robert Kraft auf: Hat Vrabel ihn von Anfang an belogen?

Entweder hat Vrabel Kraft nicht die Wahrheit über die Vorfälle erzählt, oder er hat ihm die volle Wahrheit berichtet – doch die öffentliche Reaktion des Patriots-Managements auf die ersten Fotos mit Reporterin Dianna Russini war zumindest fragwürdig. Vrabel bezeichnete die Situation damals als „lächerlich“. Diese Aussage wirkt heute wie ein PR-Manöver, das möglicherweise mehr schadet als nützt.

Kraft legt großen Wert auf Ehrlichkeit, wie Rodney Harrison, Mitglied der Patriots Hall of Fame, bestätigt. Harrison gestand 2007 den Gebrauch von leistungssteigernden Substanzen und erhielt von Kraft folgenden Rat:

Ich liebe dich, aber ich will nur eines: Sei absolut ehrlich in allem. Lüg nicht. Sei ehrlich. Und das ist das, worum ich mich wirklich bemüht habe. Kraft sagte: ‚Akzeptiere die Konsequenzen, aber du kommst immer besser damit klar, wenn du die Wahrheit sagst.‘ Das habe ich getan. Das ist der einzige Rat, den ich jedem Athleten geben würde. Wir sehen, was passiert, wenn man lügt.“

Seit Vrabels erster Stellungnahme – „Diese Fotos zeigen eine völlig harmlose Interaktion. Wer etwas anderes behauptet, ist lächerlich. Das verdient keine weitere Antwort“ – hat sich die Situation deutlich verändert. Als er am Donnerstag gefragt wurde, warum er nun den dritten Tag des Drafts verpasst, um eine Beratung wahrzunehmen, antwortete Vrabel:

„Das ist eine private und persönliche Angelegenheit. Ich denke, diese Kommentare waren ein Versuch, meine Familie zu schützen. Ich wäre nie abwertend gewesen.“

Doch genau das war er: abwertend. Der Versuch, die Familie zu „schützen“ (oder sich selbst vor ihr), bestand darin, die Vorwürfe als unwahr darzustellen. Heute ist klar: Hätte Vrabel von Anfang an die Wahrheit gesagt, wäre die Situation weniger eskaliert. Sowohl er als auch Russini wiesen die Vorwürfe zunächst zurück – ähnlich wie Gary Hart in den 1980ern, der die Medien herausforderte, Beweise zu finden. Doch die Fakten sprachen gegen sie.

Die zentrale Frage bleibt: Was hat Vrabel Kraft erzählt, als die Fotos erstmals auftauchten? Und wie reagiert Kraft darauf? Eine klare Antwort darauf wird es vermutlich nicht geben – obwohl genau das die wichtigste langfristige Konsequenz dieser Affäre sein könnte.