Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Mike Vrabel gegen Ende März wurde die Angelegenheit von den Medien weitgehend ignoriert. Doch am Donnerstag, kurz vor Beginn der NFL-Draft, konnte niemand mehr daran vorbeisehen – insbesondere nicht nach dem Interview von ESPN-Moderator Mike Greenberg mit NFL-Commissioner Roger Goodell.
Auf die Frage, ob es sich bei den Vorwürfen um einen Verstoß gegen die NFL-Verhaltensrichtlinien handele, antwortete Goodell klar: „Das ist derzeit keine Angelegenheit, die unter die Verhaltensrichtlinien fällt.“ Stattdessen bezeichnete er den Fall als „eine persönliche Angelegenheit“ und verwies darauf, dass die Liga keine weiteren Schritte einleiten werde.
Greenberg hakte nach: „Ist das die Art von Angelegenheit, über die Sie normalerweise mit dem Team sprechen würden, wenn die Patriots dies intern regeln?“
Goodell bestätigte dies: „Die Teams regeln solche persönlichen Angelegenheiten selbst. Sie verfügen über mehr Informationen, die für alle Beteiligten von Vorteil sein können.“
Mit seiner Aussage ließ Goodell jedoch eine Hintertür offen: „Soweit wir es heute wissen.“ Sollten neue Beweise auftauchen, könnte sich die Bewertung der Liga ändern. Die NFL hatte bereits zuvor klargestellt, dass sie den Fall nicht unter der Verhaltensrichtlinie prüfe. Diese Richtlinie verbietet zwar „Verhalten, das die Integrität der NFL, der Clubs oder des Personals gefährdet“ – eine sehr vage Formulierung, die Raum für Interpretationen lässt.
Doch selbst wenn die Liga derzeit keine Handhabe sieht, könnte sich die Lage ändern. Die Journalistin Dianna Russini, die ursprünglich die Vorwürfe öffentlich gemacht hatte, könnte in Zukunft weitere Details preisgeben. Bisher hat sie alle Anschuldigungen vehement bestritten – sowohl in ihrer Kündigung beim The Athletic als auch in Reaktion auf die Veröffentlichung privater Fotos durch den New York Post. In den letzten Tagen hat sie sogar ihr Twitter-Konto gelöscht, was Spekulationen über ihre nächsten Schritte weiter anheizt.
Für den Moment bleibt die Situation jedoch in der Schwebe. Die Patriots und die NFL zeigen sich unbeeindruckt, doch sollte Russini neue Informationen preisgeben, könnte sich das schnell ändern.