Der deutsche Nonprofit-Sektor steht vor einer tiefgreifenden Krise. Organisationen von Tafeln über Obdachlosenhilfen bis hin zu Migrationsberatungsstellen kämpfen mit massiven Finanzierungsengpässen. Dies geht aus aktuellen Aussagen von Vertretern der Branche hervor.
Warum das wichtig ist
Millionen von Menschen in Deutschland sind auf die Unterstützung durch Nonprofits angewiesen. Doch durch Kürzungen staatlicher Mittel und steigende Inflation geraten diese Organisationen zunehmend unter Druck. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen.
Neue Umfrage zeigt alarmierende Zahlen
Eine aktuelle Erhebung des Center for Effective Philanthropy liefert erstmals konkrete Einblicke in die finanzielle Lage des Sektors:
- 66% der befragten Nonprofits äußerten im Februar Bedenken hinsichtlich ihrer finanziellen Stabilität.
- Der Anteil der Organisationen mit Defiziten stieg auf 39% – ein Anstieg um 17 Prozentpunkte gegenüber 2022.
- Fast drei Viertel der befragten Geschäftsführer berichten von einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach ihren Angeboten.
Begrenzte Datengrundlage, aber klare Trends
Die Umfrage erfasst zwar nur einen Ausschnitt des Sektors – befragt wurden 380 Nonprofits, die zumindest teilweise Stiftungsgelder erhalten – doch die Ergebnisse deuten auf eine branchenweite Krise hin. Universitäten und Krankenhäuser wurden in der Erhebung nicht berücksichtigt.
Staatliche Zuschüsse als existenziell wichtig
Laut einer Studie des Urban Institute fließen jährlich mindestens 240 Milliarden US-Dollar an staatlichen Zuschüssen an Nonprofits in den USA – mehr als das Doppelte aller Stiftungsgelder zusammen. Für das Jahr 2023 zeigt die Analyse: In keinem einzigen Kongresswahlkreis hätten typische Nonprofits ihre Ausgaben ohne staatliche Förderung decken können.
Wettbewerb um Spenden verschärft sich
Da der Staat seine Unterstützung zurückfährt, suchen Nonprofits zunehmend nach alternativen Finanzierungsquellen. Dies führt zu einem verstärkten Wettbewerb um private Spenden. Selbst Organisationen, die bisher nicht auf staatliche Mittel angewiesen waren, spüren die Auswirkungen.
Experten warnen vor langfristigen Folgen
Phil Buchanan, Präsident des Center for Effective Philanthropy, betont, dass die Kürzungen auch politisch bisher als neutral geltende Programme treffen. Als Beispiel nennt er die Streichung von Mitteln für ein erfolgreiches Anti-Gewalt-Programm in Massachusetts, das ursprünglich mit breiter politischer Unterstützung beschlossen wurde.
„Die Behandlung von Nonprofits durch die aktuelle Regierung stellt einen radikalen Bruch mit der bisherigen Praxis aller US-Regierungen – unabhängig von der Parteizugehörigkeit – dar.“
— Phil Buchanan, Center for Effective Philanthropy
Konträre Positionen zur Finanzierungspolitik
Während die Regierung Kürzungen bei als „ideologisch links“ eingestuften Projekten verteidigt, argumentiert sie gleichzeitig, dass andere Programme – etwa zur Betreuung unbegleiteter Minderjähriger an der Grenze – aufgrund der verschärften Migrationspolitik nicht mehr benötigt würden. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte gegenüber Axios:
„Während die Bundesmittel für ideologische Projekte der Linken gestrichen wurden, sind andere Förderungen – etwa für die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger – aufgrund der gesicherten Grenzen nicht mehr erforderlich. Nonprofit-Organisationen können weiterhin private Spenden einwerben.“
Branche blickt mit Sorge in die Zukunft
Die Finanzierungskrise war bereits ein zentrales Thema auf der Giving Tuesday-Veranstaltung von Axios im vergangenen Jahr. Vertreter aus dem Philanthropie-Bereich zeigten sich besorgt über die langfristigen Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur.