Ein Manifest, das an einen Schurken aus einem Comic erinnert
Palantir, das für seine KI-gestützte Überwachungs- und Verteidigungstechnologie bekannt ist und unter anderem mit dem US-Militär, der Einwanderungsbehörde ICE sowie der New Yorker Polizei zusammenarbeitet, hat am Wochenende ein 1.000 Wörter langes X-Post veröffentlicht. Darin fasst das Unternehmen die zentralen Thesen seines neuen Buches „The Technological Republic“ zusammen – und das Ergebnis wirkt wie die wirren Ausführungen eines Comic-Schurken.
„Harte Macht“ statt moralischer Appelle
Einer der 22 Punkte des Manifests lautet:
„Die Fähigkeit freier und demokratischer Gesellschaften, zu bestehen, erfordert mehr als moralische Appelle. Sie erfordert harte Macht – und diese wird im 21. Jahrhundert auf Software basieren.“
Das Buch wird als „leidenschaftlicher Weckruf“ für den Westen beworben, der sich seiner neuen Realität stellen müsse. Weitere umstrittene Aussagen aus dem Post umfassen:
- Wirtschaftliches Wachstum als moralische Pflicht: „Kostenlose E-Mails reichen nicht aus. Der Verfall einer Kultur oder Zivilisation – und damit auch ihrer Führungsschicht – wird nur dann vergeben, wenn diese Kultur in der Lage ist, wirtschaftliches Wachstum und Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten.“
- Nationale Dienstpflicht: „Der Militärdienst sollte eine universelle Pflicht sein.“
- Neuordnung der Nachkriegsepoche: „Die Entmilitarisierung Deutschlands und Japans nach dem Zweiten Weltkrieg muss rückgängig gemacht werden.“
- Kulturelle Hierarchien: „Einige Kulturen haben entscheidende Fortschritte hervorgebracht; andere bleiben dysfunktional und rückständig.“
Kritik an „dekadenten“ Werten des Westens
Das Manifest kritisiert zudem den Widerstand des Westens gegen die „Definition nationaler Kulturen im Namen der Inklusivität“ sowie die Behandlung von Milliardären und die „rücksichtslose Bloßstellung privater Lebensbereiche öffentlicher Personen“. Die Aussagen unterstreichen, wofür Palantir steht – und wer seine Kunden sind.
Die zentralen Forderungen im Überblick
Der X-Post fasst die Kernaussagen des Buches zusammen:
- Moralische Schuld der Tech-Elite: „Silicon Valley schuldet dem Land, das seinen Aufstieg ermöglicht hat, eine moralische Verpflichtung. Die technische Elite hat die affirmative Pflicht, sich am Schutz der Nation zu beteiligen.“
- Kritik an digitaler Abhängigkeit: „Wir müssen uns gegen die Tyrannei der Apps auflehnen. Ist das iPhone etwa unser größter kreativer – wenn nicht sogar krönender – Fortschritt als Zivilisation? Das Gerät hat unser Leben verändert, könnte aber gleichzeitig unsere Vorstellung von Möglichkeiten einschränken.“
- KI-Waffen als unvermeidbar: „Die Frage ist nicht, ob KI-Waffen entwickelt werden, sondern wer sie baut und zu welchem Zweck. Unsere Gegner werden keine Zeit mit theoretischen Debatten über die Entwicklung militärisch kritischer Technologien verlieren. Sie werden handeln.“
Warum diese Aussagen so brisant sind
Palantir steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem wegen seiner Zusammenarbeit mit autoritären Regimen und der Lieferung von Überwachungstechnologie an Sicherheitsbehörden. Die Forderungen nach mehr militärischer Stärke, nationaler Dienstpflicht und einer Abkehr von „dekadenten“ westlichen Werten passen zu einem Weltbild, das Sicherheit über individuelle Freiheiten stellt. Ob diese Vision tatsächlich umsetzbar ist, bleibt fraglich – doch die Debatte darüber ist bereits entfacht.