Eine bahnbrechende Studie hat gezeigt, dass der psychoaktive Wirkstoff Psilocybin – bekannt aus sogenannten "Magic Mushrooms" – bei aggressiven Fischen zu einer deutlichen Reduzierung von Aggression führt. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachmagazin Frontiers in Behavioral Neuroscience, könnten neue Erkenntnisse über die Wirkung psychedelischer Substanzen liefern.

Fische als Modellorganismen für Verhaltensforschung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Psilocybin bereits bei Menschen und Säugetieren untersucht, doch Fische bieten aufgrund ihrer vielfältigen sozialen Strukturen und Aktivitätsmuster einzigartige Einblicke. Diese Studie ist die erste, die nachweist, dass Psilocybin bei einem Tiermodell Aggression reduziert. Damit könnten zukünftige Forschungen die neuronalen Mechanismen hinter diesen Verhaltensänderungen entschlüsseln.

Besonderheiten des Mangroven-Rivulus

Im Fokus der Untersuchung stand der Mangroven-Rivulus (Kryptolebias marmoratus), ein hochaggressiver Fisch mit bemerkenswerten Anpassungsfähigkeiten. Er kann monatelang außerhalb des Wassers überleben und ist eine seltene zwittrige Art, die sich hauptsächlich durch Selbstbefruchtung fortpflanzt. Dadurch entstehen genetisch identische Klone, was genetische Variationen als Störfaktor in Experimenten ausschließt.

„Jede unserer Fischlinien ist genetisch identisch, während sich die Linien untereinander unterscheiden“, erklärt Dayna Forsyth, Forschungsleiterin an der Acadia University in Nova Scotia, gegenüber 404 Media. „Wir eliminieren so den genetischen Faktor und konzentrieren uns ausschließlich auf das Verhalten.“

Experimentdesign: So wurde Psilocybin getestet

Um die Wirkung von Psilocybin auf das Verhalten zu untersuchen, platzierten die Forscher zwei unbehandelte Fische auf gegenüberliegenden Seiten eines Beckens, getrennt durch eine durchsichtige Trennwand. Diese erlaubte Sicht- und Geruchskontakt, verhinderte aber körperliche Interaktionen. Anschließend wurde ein „Fokus-Fisch“ für 20 Minuten einer niedrigen Psilocybin-Dosis ausgesetzt und zurück in das Becken gesetzt. Die Reaktionen auf die unbehandelten Fische wurden beobachtet.

Überraschende Ergebnisse

„Wir wussten anfangs nicht, was uns erwartet“, so Forsyth. „Es gab kaum Vorstudien zu Fischen und Psilocybin.“ Die Ergebnisse waren dennoch eindeutig: Die behandelten Fische zeigten deutlich weniger aggressive Ausbrüche wie blitzschnelle Angriffe auf Artgenossen. Allerdings blieben andere Verhaltensweisen wie seitliche oder frontale Drohgebärden unverändert.

„Wir hatten erwartet, dass alle aggressiven Verhaltensweisen reduziert werden – auch die weniger energieraubenden Drohgebärden“, erklärt Forsyth. „Dass nur die hochaggressiven und energieintensiven Verhaltensweisen betroffen waren, war eine Überraschung.“

Zukunftsperspektiven: Von Fischen zu Menschen?

Die Studie trägt zu einer wachsenden Zahl von Forschungen bei, die die Auswirkungen psychedelischer Substanzen auf das Gehirn und Verhalten untersuchen. Während die genauen neuronalen Mechanismen noch unklar sind, könnten diese Erkenntnisse langfristig auch für die Humanmedizin relevant sein – etwa bei der Erforschung von Aggressionsstörungen oder der Entwicklung neuer Therapieansätze.

„Diese Ergebnisse öffnen die Tür für weitere Studien, die möglicherweise die neuronalen Grundlagen dieser Verhaltensänderungen entschlüsseln.“

Quelle: 404 Media