Die Weber State University in Utah hat kurz vor einer eigenen Konferenz zur Zensur selbst Zensur ausgeübt. Wie aus internen Dokumenten hervorgeht, wurden Referent:innen der „27. Annual Unity Conference“ mit dem Titel „Redacted: Navigating the Complexities of Censorship“ aufgefordert, keine Inhalte zu Identitätspolitik oder DEI (Diversity, Equity, Inclusion) zu präsentieren. Andernfalls drohte der Ausschluss aus dem offiziellen Programm.

In einer E-Mail der damaligen Vizepräsidentin für Studierendenzugang, Jessica Oyler, hieß es, es handle sich nicht um eine „echte“ akademische Konferenz. Daher seien Aussagen und Materialien, die sich zu Gesetzesvorhaben oder politischen Positionen positionieren, nicht durch die akademische Freiheit geschützt – basierend auf dem umstrittenen Utah HB 261.

Dieses Gesetz gehört zu einer Reihe von Regelungen in mehreren US-Bundesstaaten, die öffentliche Hochschulen daran hindern sollen, DEI-Rahmenkonzepte in Zulassungs- und Personalentscheidungen einzusetzen. Bei Verstößen droht der Entzug staatlicher Fördergelder. Ähnliche Gesetze gibt es bereits in Texas, Florida, Alabama und Iowa. Während viele dieser Gesetze primär die Finanzierung im Blick haben, nehmen zunehmend auch Einschränkungen der Lehrfreiheit an Universitäten zu.

Kritiker:innen aus den Bereichen Meinungsfreiheit, akademische Freiheit und Bürgerrechte warnen vor den Folgen: Hochschulen müssten ihre Reputation opfern, um staatliche Gelder zu sichern. Die Weber State University liefert nun ein Beispiel dafür, wie schnell selbst eine Konferenz über Zensur von Zensur betroffen sein kann.

Dokumente enthüllen interne Rechtfertigungen und Reaktionen

Die Plattform 404 Media erhielt über einen Freedom of Information Act-Antrag Einblick in interne Dokumente. Diese zeigen, wie die Universität ihre Entscheidung begründete und wie Referent:innen darauf reagierten.

Oyler erklärte in ihrer E-Mail, die Konferenz sei keine „echte“ akademische Veranstaltung, da sie aus dem Budget der Studierendenangelegenheiten finanziert wurde. Laut HB 261 und der Auslegung der Universität gelte der Schutz der akademischen Freiheit hier nicht – weder für Studierende noch für Mitarbeiter:innen oder externe Forschende, sofern die Finanzierung nicht über die Fakultätsverwaltung läuft.

Forscherin zieht sich nach Zensurvorfall zurück

Sarah Herrmann, außerordentliche Professorin für Psychologie an der Weber State University, hatte gemeinsam mit einer Studentin eine Studie zu den Auswirkungen von Gesetzen wie HB 261 auf den Campus vorgelegt. Ihr Forschungsschwerpunkt: Wie die Schließung von Kulturzentren die Studierendenerfahrung beeinflusst. Die Präsentation war zunächst angenommen worden, doch kurz vor der Konferenz forderte ein Organisator die Studentin auf, alle Erwähnungen von „DEI“ – sowohl als Akronym als auch ausgeschrieben – zu entfernen. Herrmann wurde dies umgehend mitgeteilt.

„Stellen Sie sich vor, Studierende, die Teil des Frauen- oder Kulturzentrums sind, sehen ihr Nebenfach gestrichen. Das vermittelt eine klare Botschaft darüber, wer dazugehört und wer nicht.“

Die Studentin gehörte zu den ersten, die ihre Teilnahme an der Konferenz zurückzogen. Der Vorfall zeigt, wie schnell institutionelle Zensur die akademische Freiheit untergräbt und Studierende davon abhält, kritische Forschung zu betreiben.

Wachsende Besorgnis über staatliche Einflussnahme auf Hochschulen

Experten sehen in solchen Fällen eine gefährliche Entwicklung: Immer mehr Bundesstaaten nutzen Gesetze wie HB 261, um progressive Lehrinhalte und DEI-Initiativen einzuschränken. Kritiker:innen argumentieren, dass dies nicht nur die Freiheit von Forschung und Lehre gefährdet, sondern auch die Vielfalt an Hochschulen systematisch reduziert. Die Weber State University steht nun im Zentrum der Debatte – als Beispiel dafür, wie schnell selbst eine Konferenz über Zensur zensiert wird.

Quelle: 404 Media