MicroStrategy (MSTR), das Unternehmen mit dem größten öffentlichen Bitcoin-Bestand, hat vor der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen die Bitcoin-Käufe vorübergehend eingestellt. Diese Entscheidung unterstreicht die strategische Neuausrichtung des Unternehmens von einer Softwarefirma hin zu einem kapitalmarktorientierten Finanzvehikel.
Vorstandsvorsitzender Michael Saylor erklärte am Sonntag, dass die Firma diese Woche keine Bitcoin erwerben werde und die Käufe erst nächste Woche wieder aufnehmen wolle. Dies ist erst die zweite Pause in diesem Jahr und markiert eine bewusste Unterbrechung des ansonsten kontinuierlichen Akkumulationsprogramms.
Die Ankündigung fällt mit dem bevorstehenden Quartalsbericht für das erste Quartal zusammen, der am Dienstag veröffentlicht wird. Analysten erwarten ein Umsatzwachstum auf etwa 125 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 111,1 Millionen US-Dollar), begleitet von einem erwarteten Verlust pro Aktie, der je nach Prognose variiert. Die genauen Zahlen bleiben jedoch unsicher.
MicroStrategy besitzt derzeit rund 818.334 Bitcoin, was etwa 3,9 % des gesamten Bitcoin-Angebots entspricht. Der jüngste Kauf umfasste 3.273 BTC zu einem durchschnittlichen Preis von rund 77.900 US-Dollar. Der Bitcoin-Kurs notierte zu Wochenbeginn bei etwa 80.000 US-Dollar, was zu einer positiven Stimmung in den Kryptomärkten beitrug. Infolgedessen stieg die MSTR-Aktie in den frühen Handelsstunden um 3 % und verzeichnete innerhalb von zwei Tagen einen Anstieg von über 10 %.
Die Pause bei den Bitcoin-Käufen könnte zwar als übliche Vorsichtsmaßnahme vor Quartalszahlen interpretiert werden, doch sie wirft gleichzeitig Fragen zur Finanzierungsstruktur des Unternehmens auf. MicroStrategy hat sich von einer Softwarefirma mit Bitcoin-Beteiligung zu einem Finanzvehikel entwickelt, das darauf abzielt, Marktkapitalisierung in Bitcoin-Exposition umzuwandeln. Dieses Modell basiert auf kontinuierlichem Zugang zu Kapital, etwa durch Aktienemissionen oder bevorzugte Anteile wie das neue STRC-Instrument.
Das STRC (Strategy’s Bitcoin-backed preferred stock) zielt auf einen Handelswert von 100 US-Dollar ab und bietet eine variable Dividende von etwa 11,5 % pro Jahr. Analysten stehen dem Instrument jedoch kritisch gegenüber, da Anleger zwar von den Erträgen profitieren, aber gleichzeitig einem Abwärtsrisiko bei fallenden Bitcoin-Preisen oder nachlassender Nachfrage ausgesetzt sind.
Der jüngste Kursanstieg der MSTR-Aktie folgt zudem auf die vielbeachtete Keynote von Michael Saylor auf der Bitcoin 2026-Konferenz in Las Vegas. Statt sich auf Bitcoin-Preisziele oder weitere Käufe zu konzentrieren, präsentierte Saylor das STRC als zentrales Produkt und betonte, dass digitales Kreditwesen traditionelle Kreditmärkte in Höhe von Billionen Dollar verdrängen werde.
„Der weltweite Kreditmarkt von 300 Billionen US-Dollar bietet eine weitaus größere Chance als der Bitcoin-Markt mit etwa 2 Billionen US-Dollar. MicroStrategy hat das erste Produkt geschaffen, um diese beiden Welten zu verbinden“, erklärte Saylor vor dem Publikum. Das STRC, das eine monatliche variable Dividende zahlt und an der Nasdaq gehandelt wird, hat innerhalb von weniger als neun Monaten ein Volumen von rund 8,5 Milliarden US-Dollar erreicht – größer, so Saylor, als das gesamte bestehende Universum monatlich zahlender Vorzugsaktien.
„Das geht viral“, sagte Saylor zur Begeisterung des Publikums. Bereits jetzt hat der BlackRock iShares Preferred Income Securities ETF eine Position von etwa 210 Millionen US-Dollar in STRC aufgebaut. Saylor zufolge hat das Instrument den Erwerb von rund 77.000 Bitcoin finanziert.