Warum Reiseversicherungen oft falsch eingeschätzt werden
Meine früheste Erinnerung an Reiseversicherungen sind die Lebensversicherungs-Automaten in Flughäfen bis in die frühen 1980er-Jahre. Für diejenigen, die diese kuriosen Kioske nicht kennen: Sie boten kurzfristige Lebensversicherungen für 2,50 Dollar (in Vierteldollar-Münzen) mit einer Deckungssumme von bis zu 62.500 Dollar an. Da diese Policen gezielt an ängstliche Reisende vermarktet wurden, lag der Verdacht nahe, dass Versicherer hier weniger Schutz als vielmehr Profit im Sinn hatten.
Jahrzehnte lang blieb meine Skepsis gegenüber Reiseversicherungen bestehen – bis meine Familie kürzlich nach Dänemark reiste. Wie bei jedem Versicherungsprodukt ist es schwierig, zwischen sinnvollen Absicherungen und reinen Geldmachern zu unterscheiden. Um zu verstehen, wie Reiseversicherungen sinnvoll in das Urlaubsbudget integriert werden können, sprach ich mit dem Reiseexperten Lee Huffman von BaldThoughts.com.
Was Reiseversicherungen tatsächlich abdecken
Reiseversicherung ist ein Oberbegriff für verschiedene Schutzleistungen. Hier die wichtigsten Bereiche:
- Reiseabbruch, -unterbrechung oder -verzögerung: Erstattet nicht erstattungsfähige Kosten, wenn eine Reise aufgrund von Krankheit, Jobverlust oder Flugverspätung abgesagt oder verschoben werden muss. Mit über 21 % Verspätungen und 1,47 % Ausfällen im Jahresvergleich ist dies das häufigste Reise-Risiko.
- Krankenversicherungsschutz im Ausland: Viele US-Krankenversicherungen decken Auslandsaufenthalte nicht ab – Medicare schon gar nicht. Selbst wenn eine Police im Ausland gilt, bestehen oft Deckungslücken. Reisekrankenversicherungen schließen diese Lücken.
- Notfall-Rücktransport: Falls vor Ort keine adäquate medizinische Versorgung möglich ist, übernimmt diese Versicherung die Kosten für den Transport in ein geeignetes Krankenhaus. Dieser Schutz ist selten in Standard-Krankenversicherungen enthalten, einige Kreditkarten bieten ihn jedoch als Zusatzleistung an.
- Gepäckverlust oder -beschädigung: Die Hausratversicherung deckt zwar oft Reisegepäck ab, aber Reisegepäckversicherungen übernehmen Selbstbehalte oder schließen bestimmte Gegenstände ein.
Risiken gezielt absichern – nicht alles ist gleich wichtig
Die Liste möglicher Risiken mag wie ein Albtraum für Urlauber wirken. Doch muss man wirklich alles versichern? Experte Huffman rät:
"Die Gesamtkosten einer Reise mögen 10.000 Dollar betragen, aber Sie können die Ausgaben gezielt reduzieren. Passen Sie Ihre Reiseversicherung an Ihre individuellen Risiken an."
Nicht jede Reiseausgabe ist gleich riskant. Besonders große Ausgaben wie Flugtickets und Unterkünfte sind oft bereits durch Kreditkarten oder Händlerkündigungsbedingungen abgesichert. Eine pauschale Versicherung für die gesamte Reise ist daher selten notwendig.
Fazit: Wann sich eine Reiseversicherung lohnt
Reiseversicherungen sind kein Muss, aber in bestimmten Situationen sinnvoll:
- Bei teuren Reisen mit hohem Stornorisiko (z. B. Kreuzfahrten oder Pauschalreisen).
- Bei Reisen in Länder mit hohem medizinischem Risiko oder schlechter Gesundheitsversorgung.
- Wenn keine bestehende Krankenversicherung im Ausland gilt.
- Bei Reisen mit wertvollem Gepäck oder speziellen Ausrüstungen.
Letztlich kommt es auf eine individuelle Risikoabwägung an. Wer bereits durch Kreditkarten oder andere Policen abgesichert ist, kann auf viele Zusatzleistungen verzichten. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, sollte gezielt die Risiken absichern, die nicht bereits anderweitig gedeckt sind.