Schnelle Reaktionen auf Supreme-Court-Entscheidung
Republikanisch geführte Bundesstaaten im Süden der USA nutzen ein neues Urteil des Supreme Court, um ihre Kongresswahlkreise umgehend neu zu ziehen. Damit soll der politische Einfluss schwarzer Wähler geschwächt werden. Das Gericht hatte am Mittwoch in der Sache Louisiana v. Callais mit 6:3 Stimmen das bestehende Kongress-Wahlkreismodell in Louisiana gekippt und den einzigen demokratischen – und mehrheitlich schwarzen – Wahlkreis gestrichen.
Louisiana setzt Neuzeichnung sofort um
Bereits einen Tag nach dem Urteil kündigte der republikanische Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, gemeinsam mit der Generalstaatsanwältin Liz Murrill an, die für den 16. Mai geplanten Vorwahlen auszusetzen. Ziel ist es, bis dahin eine neue Wahlkreiskarte zu erstellen. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es:
„Der Staat darf derzeit keine Kongresswahlen nach der bestehenden Karte durchführen. Wir arbeiten mit dem Parlament und dem Büro des Secretary of State zusammen, um einen Weg nach vorn zu finden.“
Florida und Mississippi folgen mit eigenen Plänen
Nur wenige Stunden nach der Supreme-Court-Entscheidung verabschiedete Florida unter Gouverneur Ron DeSantis ein neues Kongress-Wahlkreismodell. Damit sollen den Republikanern voraussichtlich vier zusätzliche Sitze im Kongress gesichert werden.
In Mississippi kündigte Gouverneur Tate Reeves an, das Parlament zu einer Sondersitzung zur Neuzeichnung der Kongresswahlkreise einzuberufen. Reeves begrüßte das Urteil auf der Plattform X und bezog sich dabei auch auf das Dobbs-Urteil zur Abtreibungsfrage:
„Erst Dobbs. Jetzt Callais. Nur Mississippi und Louisiana retten hier unser Land!“
Alabama und Tennessee: Angriff auf schwarze Wahlkreise
Der republikanische Generalstaatsanwalt von Alabama, Steve Marshall, kündigte an, das Urteil „so schnell wie möglich“ auf die Neuzeichnung der Wahlkreise in Alabama anzuwenden. Ziel ist es, zwei demokratische und mehrheitlich schwarze Wahlkreise zu schwächen.
Die Senatorin und Gouverneurskandidatin aus Tennessee, Marsha Blackburn, veröffentlichte auf X einen komplett rot eingefärbten Vorschlag für ein neues Wahlkreismodell des Bundesstaates. Damit würde der einzige demokratische und mehrheitlich schwarze Wahlkreis in Memphis gestrichen. Blackburn schrieb:
„Ich fordere unser Parlament auf, erneut zusammenzutreten, um einen weiteren republikanischen Sitz in Memphis einzurichten. Dies ist entscheidend, um die Agenda von @realDonaldTrump und das ‚Goldene Zeitalter Amerikas‘ zu festigen.“
South Carolina: Gleichbehandlung als Argument
In South Carolina diskutieren republikanische Politiker offen über eine Neuzeichnung der Wahlkreise. Der republikanische Abgeordnete Jordan Pace äußerte sich gegenüber dem lokalen Fernsehsender WLTX:
„Ich war froh über das Urteil. Langfristig habe ich immer vertreten, dass Menschen nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder des Melaningehalts behandelt werden sollten. Menschen wählen nicht nach ihrer Hautfarbe.“
Pace hatte bereits zuvor einen überarbeiteten Entwurf für den 6. Kongresswahlkreis in South Carolina vorgelegt.
Rechtliche Hürden und politische Folgen
Die hastily erarbeiteten neuen Wahlkreiskarten werden zwar voraussichtlich vor Gericht angefochten, doch das Supreme-Court-Urteil setzt ein neues Präzedenzrecht und schwächt den seit 60 Jahren bestehenden Voting Rights Act. Da die Kongresswahlen in weniger als sechs Monaten stattfinden, dürften Gerichte zögern, in Wahlrechtsfragen zu entscheiden. Sollten die neuen Karten bis November in Kraft treten, könnte dies den Republikanern helfen, ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus zu halten.