Bei einem kurzen Auftritt auf einer Veranstaltung des Make America Healthy Again Institute (MAHA) kündigte Robert F. Kennedy Jr., Gesundheitssekretär und Impfgegner, neue bundesweite Initiativen an, um die Verschreibung von Antidepressiva einzudämmen. Kennedy, der diese Medikamente seit Jahren mit falschen und gefährlichen Aussagen angreift, steht damit erneut in der Kritik von Psychiatern und Wissenschaftlern.
Die MAHA-Veranstaltung stand unter dem Motto „Übermedikalisierung“. Teilnehmer behaupteten ohne Belege, dass zu viele Amerikaner – insbesondere Jugendliche – übermäßig mit Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) behandelt würden. Zu dieser Medikamentenklasse gehören bekannte Präparate wie Zoloft, Prozac, Paxil und Lexapro, die bei Depressionen, Angststörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt werden. Die Teilnehmer warfen den Ärzten vor, die Medikamente ohne ausreichende Aufklärung zu verschreiben, sie seien schädlich und schwer abzusetzen.
Kennedys gefährliche Fehlinformationen
Die Aussagen der MAHA-Veranstaltung spiegeln Kennedys eigene, wissenschaftlich nicht haltbare Behauptungen wider. So behauptet er seit Jahren, dass zu viele Menschen – darunter auch Kinder – auf SSRIs gesetzt würden und diese Medikamente Gewalt auslösen könnten. Noch schwerwiegender ist seine Behauptung, SSRIs seien für Amokläufe, darunter Schulmassaker, verantwortlich. In einem Podcast aus dem Vorjahr erklärte er etwa:
„Jedes schwarze Kind wird heutzutage standardmäßig auf Adderall, SSRIs und Benzodiazepine gesetzt, die nachweislich Gewalt auslösen.“Als Lösung schlug er vor, schwarze Kinder sollten „umgeschult“ und auf Bauernhöfen arbeiten.
Psychiater und Suchtforscher weisen diese Aussagen als wissenschaftlich widerlegt und gefährlich zurück. SSRIs gehören zu den am besten untersuchten und sichersten Medikamenten in der Psychiatrie. Studien zeigen, dass sie bei korrekter Anwendung das Suizidrisiko senken und die Lebensqualität deutlich verbessern können. Die Behauptung, sie würden Gewalt oder Amokläufe auslösen, entbehrt jeder Grundlage.
Experten fordern stattdessen eine evidenzbasierte Debatte über die psychische Gesundheit in den USA. Statt pauschaler Angriffe auf Antidepressiva brauche es mehr Aufklärung über ihre korrekte Anwendung und bessere Therapieangebote für Betroffene.