Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen prägte mit seinen Werken die Filmgeschichte. Nach dem internationalen Durchbruch mit dem Kriegsfilm Das Boot verzauberte er Kinder mit Die unendliche Geschichte und faszinierte später ein breites Publikum mit Filmen wie In der Schusslinie, Outbreak, Air Force One und Troja. Auch sein Sci-Fi-Flop Enemy Mine, der später zum Kultfilm avancierte, wird heute noch diskutiert. Doch ein Petersens-Film, der kaum Beachtung fand, enthält einen der raffiniertesten und unterschätztesten Twists der 1990er: Shattered.
Falls Sie den Film noch nicht kennen, lohnt es sich, ihn jetzt zu schauen – denn hier folgt ein Spoiler, der die Handlung enthüllt. Wer Shattered noch nicht gesehen hat, sollte jetzt pausieren und den Film erst einmal genießen. Für alle anderen: Hier kommt die Analyse eines der besten Twists des Jahrzehnts.
Ein vergessener Thriller mit Starbesetzung
Wie Enemy Mine war Shattered 1991 ein kommerzieller Misserfolg und wurde von der Kritik kaum beachtet. Doch der Film überzeugt mit starken Leistungen von Tom Berenger, Bob Hoskins und Greta Scacchi. Petersen inszenierte einen sexy Thriller, in dem Berenger die Rolle des wohlhabenden Geschäftsmanns Dan Merrick übernahm.
Merricks Leben ändert sich schlagartig, als er einen schweren Autounfall überlebt. Seine Frau Judith (Scacchi) wird aus dem Wrack geschleudert, während er selbst schwere Gesichtsverletzungen und Amnesie davonträgt. Nach einer rekonstruktiven Operation kehrt er in sein luxuriöses Leben zurück – doch etwas stimmt nicht. Merrick fühlt sich fremd in seiner eigenen Welt. Er erkennt weder sein Zuhause noch seine Freunde oder sein Spiegelbild wieder.
Die Suche nach der Wahrheit
Judith versucht, ihm bei der Genesung zu helfen, doch Merrick bemerkt immer mehr Ungereimtheiten in ihrem Verhalten. Gleichzeitig erinnert er sich langsam an seine eigene, wenig sympathische Vergangenheit – insbesondere an seine zwielichtigen Geschäfte mit seinem skrupellosen Partner Jeb Scott (Corbin Bernsen). Um die Ereignisse vor dem Unfall zu rekonstruieren, engagiert Merrick einen Privatdetektiv namens Gus (Hoskins), der mit übertriebener New Yorker Attitüde aufwartet.
Bald stößt Merrick auf eine Lüge nach der anderen. Judith gesteht ihm schließlich, dass sie vor dem Unfall eine Affäre mit einem Mann namens Jack Stanton hatte. Merrick, der davon erfahren hatte, soll Stanton in einem Eifersuchtsanfall getötet haben. Gemeinsam hätten sie Stantons Leiche an einem alten Schiffswrack entsorgt und seien anschließend mit dem Auto geflohen – bis zum Unfall. Dieser Twist allein wäre schon clever, doch Shattered geht noch einen Schritt weiter.
Der geniale Finale-Twist
Merrick ist zwar überzeugt, doch etwas lässt ihm keine Ruhe. Zusammen mit Gus begibt er sich zum Schiffswrack und öffnet einen Tank mit Formaldehyd. Darin findet er eine konservierte Leiche – doch es ist nicht Stanton. Die Identität des Toten wirft alles bisher Gekannte über den Haufen und enthüllt eine noch düsterere Wahrheit über Merricks Vergangenheit und Judiths Rolle darin.
Dieser unerwartete Twist macht Shattered zu einem der intelligentesten Psychothriller der 90er, der trotz seines damaligen Misserfolgs heute als Geheimtipp gilt. Wer einen Film mit Tiefgang und einem unvergesslichen Finale sucht, sollte sich diesen Klassiker unbedingt ansehen.