Ich habe ein Problem: Mein Gesicht ist überlastet. Auf meiner Nase balanciert gerade ein Paar Even Realities G2, auf meinem Schreibtisch warten zwei Modelle von Rokid, und daneben lädt das Meta Ray-Ban Display zusammen mit dem Neural Wristband. Im Schrank stapeln sich sechs günstige Smart-Sonnenbrillen von Walmart, daneben liegen Modelle von Xreal, RayNeo und Lucyd – und nicht zu vergessen ein altes Paar Razer Anzu.

Später rufe ich meinen Optiker an. Ich will die neuen Ray-Ban Meta Optics testen, die angeblich auch mit meiner starken Sehstärke klarkommen. Das Problem: Ich ertränke förmlich in Smart-Eyewear. Und die Auswahl wird noch größer.

Doch wozu das alles? Die meisten dieser Geräte versprechen Augmented Reality, Sprachsteuerung oder Fitness-Tracking. Doch im Alltag sind sie oft nutzlos – oder zumindest überflüssig. Warum?

Die Technologie ist da, aber die Anwendung fehlt. Die meisten Smart-Glasses sind entweder zu klobig, haben eine zu kurze Akkulaufzeit oder bieten keine wirklich nützlichen Funktionen. Selbst die teuren Modelle wie die Ray-Ban Meta Optics wirken wie ein teures Spielzeug, das niemand wirklich braucht.

Ein Beispiel: Das Meta Ray-Ban Display kann zwar Anrufe annehmen und Musik abspielen, aber dafür reicht ein Smartphone völlig aus. Die Even Realities G2 versprechen zwar immersives AR-Erlebnis, doch ohne passende Apps oder Inhalte bleibt das ein leeres Versprechen. Und die günstigen Walmart-Modelle? Die sind oft so langsam und unzuverlässig, dass sie nach ein paar Stunden im Schublade landen.

Doch es gibt auch Hoffnung. Einige Hersteller arbeiten an wirklich nützlichen Funktionen. So könnten Smart-Glasses in Zukunft als Hilfsmittel für Handwerker dienen, die Baupläne direkt ins Sichtfeld projizieren. Oder als Assistenzsystem für Ärzte, die Patientendaten abrufen, ohne den Blick vom OP-Tisch zu wenden. Auch im Bereich Barrierefreiheit gibt es Potenzial, etwa für Menschen mit Sehbehinderung.

Doch bis dahin bleibt die Frage: Wann kommt der Durchbruch? Die Technologie ist vorhanden, aber die Nutzungsszenarien sind noch zu vage. Die meisten Menschen brauchen keine Smart-Glasses – zumindest nicht in ihrer aktuellen Form. Vielleicht ändert sich das, wenn die Geräte kleiner, leichter und vor allem nützlicher werden.

Bis dahin bleibt mir nur eines: weiter testen. Und hoffen, dass mein Optiker mir bald die neuen Ray-Ban Meta Optics anpasst – damit ich wenigstens stylisch in die digitale Zukunft starre.

Quelle: The Verge