Als AMC 2018 die erste Staffel von The Terror veröffentlichte, wirkte die Entscheidung, eine historische Horror-Serie zu einem Franchise auszubauen, ungewöhnlich. Ursprünglich als abgeschlossene Miniserie geplant, basierte die Serie auf Dan Simmons‘ gleichnamigem Roman und erzählte die dramatisierte Geschichte der gescheiterten Franklin-Expedition des 19. Jahrhunderts – angereichert mit übernatürlichen Elementen. Der Erfolg der Serie führte schnell zu einer Fortsetzung: The Terror: Infamy (2019) spielte in einem japanischen Internierungslager während des Zweiten Weltkriegs und blieb sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum hinter den Erwartungen zurück. Seitdem ruhte die Serie – bis jetzt.
Mit The Terror: Devil in Silver kehrt AMC zum Franchise zurück und setzt dabei auf eine Rückkehr zu den literarischen Wurzeln der Reihe. Die neue Staffel verbindet Horror-Elemente mit einer schonungslosen Gesellschaftskritik, die menschliche Abgründe spiegelt. Basierend auf Victor LaValle‘s preisgekröntem Roman erzählt die Serie eine Geschichte, die sich auf mehreren Ebenen entfaltet: als übernatürlicher Thriller und als scharfe Abrechnung mit Themen wie toxischer Männlichkeit und dem Versagen des Gesundheitssystems gegenüber psychisch Kranken.
Ein Monster – aber nicht das wichtigste
Wie seine Vorgänger enthält auch Devil in Silver ein wörtliches Monster. Doch im Gegensatz zu den vorherigen Staffeln steht dieses Wesen nicht im Mittelpunkt der Handlung. Stattdessen folgt die Serie Pepper (Dan Stevens), einem Arbeiter aus Queens, der von einer Karriere als Schlagzeuglehrer träumt. Sein Leben nimmt eine dramatische Wendung, als er in eine körperliche Auseinandersetzung zwischen seiner Freundin und ihrem gewalttätigen Ex-Freund gerät. Bei der Festnahme wirft er einem Polizisten einen Schlag an – ein Vergehen, das ihn in die fiktive New Hyde Psychiatric Hospital bringt. Ursprünglich nur für ein Wochenende zur Abkühlung gedacht, wird Pepper dort festgehalten, weil die Polizei keine Lust auf Papierkram hat. Dies ist nur der erste von vielen rechtlichen Grauzonen und Systemversagen, die im Laufe der Serie aufgedeckt werden.
Systemversagen und übernatürliche Bedrohung
Als übermedikamentierter und als „nicht kooperativ“ eingestufter Patient kämpft Pepper gegen das System, um seine Freiheit zu erlangen. Gleichzeitig bemerkt er seltsame Vorkommnisse in der Anstalt – darunter der plötzliche Tod des Mannes, der zuvor sein Zimmer bewohnte. Viele Insassen führen diese Ereignisse auf eine dunkle Macht zurück, die hinter einer mysteriösen silbernen Tür gefangen sein soll. Während Pepper versucht, die Wahrheit zu enthüllen, enthüllt die Serie schonungslos die realen Schrecken, die in psychiatrischen Einrichtungen herrschen – von struktureller Gewalt bis hin zur Entmündigung von Patienten.
„Horror funktioniert am besten, wenn er nicht nur Monster zeigt, sondern die Abgründe der menschlichen Natur reflektiert.“
Die Serie nutzt das übernatürliche Setting, um tiefgreifende gesellschaftliche Missstände zu thematisieren. Von der Entmenschlichung psychisch kranker Menschen bis hin zur Ausbeutung durch das Gesundheitssystem – Devil in Silver geht weit über klassischen Horror hinaus. Die Mischung aus psychologischem Druck, sozialer Kritik und übernatürlichen Elementen macht die Serie zu einem einzigartigen und beunruhigenden Erlebnis.
Fazit: Ein Horror mit Tiefgang
The Terror: Devil in Silver beweist, dass das Franchise mehr ist als nur eine Ansammlung von Monstern. Die Serie verbindet packenden Horror mit einer dringend notwendigen Gesellschaftskritik und zeigt, wie gefährlich es sein kann, wenn Systeme versagen. Dan Stevens liefert eine herausragende Performance als Pepper, dessen Kampf um Freiheit und Würde im Mittelpunkt steht. Wer auf der Suche nach einem Horror mit Substanz ist, wird hier fündig.