Trump geht auf Distanz zu Rogan – und sucht gleichzeitig Nähe
Präsident Donald Trump und seine Regierung arbeiten seit Monaten daran, den populären Podcaster Joe Rogan für sich zu gewinnen. Das geschieht trotz Rogans scharfer Kritik am Iran-Krieg und dessen offener Ablehnung von Trumps Außenpolitik.
Rogan trifft Trump im Oval Office
Bei einem überraschenden Besuch im Weißen Haus am vergangenen Samstag lobte Rogan den Präsidenten. Im Gegenzug unterzeichnete Trump eine exekutive Anordnung, die die beschleunigte Prüfung psychedelischer Substanzen für die Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen vorsieht. Rogan hatte Trump zuvor per Textnachricht auf das Thema aufmerksam gemacht.
„Die Antwort kam zurück: ‚Klingt großartig. Willst du FDA-Zulassung? Dann machen wir das.‘ Es ging blitzschnell.“
Joe Rogan
Hinter den Kulissen: Enge Kontakte zwischen Trump und Rogan
Ein enger Mitarbeiter Trumps bestätigte, dass der Präsident „häufig“ mit Rogan in Kontakt steht. Zudem trafen sich Vizepräsident JD Vance und Rogan im vergangenen Monat bei einem Wahlkampfauftritt in Austin, wo der Podcaster lebt. Auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und dessen Berater Calley Means, ein Befürworter psychedelischer Therapien, pflegen engen Kontakt zu Rogan. Beide waren bei der Unterzeichnung der Anordnung anwesend.
Psychedelika als gemeinsamer Nenner
Rogan gilt seit Langem als Befürworter psychedelischer Therapien. Die neue Anordnung beschleunigt die Zulassung von Psychedelika wie Ibogain, stellt 50 Millionen Dollar für die Forschung bereit und fordert Bundesbehörden auf, Studien auszuweiten. Ibogain könnte laut klinischen Berichten bei der Behandlung von Opioid-Sucht helfen.
Trump selbst hatte Rogan noch am selben Abend bei einem UFC-Kampf in Miami begrüßt, wo Rogan als Kommentator fungierte. Ein weiterer Trump-Mitarbeiter betonte, dass zwischen Trump und Rogan eine „echte Freundschaft“ bestehe, die durch UFC-Präsident Dana White gefördert werde.
Kritik an Iran-Krieg: Rogan bleibt skeptisch gegenüber Trump
Trotz der Annäherungsversuche bleibt Rogan ein scharfer Kritiker von Trumps Politik. In einer aktuellen Folge seines Podcasts bezeichnete er den Iran-Krieg als sinnlos: „Ihr schießt Raketen in Städte und zerstört alles … Was zum Teufel machen wir da eigentlich? Wie kann das noch weitergehen?“
Rogan warf Trump vor, seine Wähler zu enttäuschen, da dieser im Wahlkampf „keine weiteren Kriege“ versprochen habe. Trump konterte bei der Unterzeichnung der Anordnung mit einem Seitenhieb: Rogan sei „etwas liberaler“ als er selbst.
Warum die Beziehung trotz Differenzen wichtig bleibt
Sowohl Trump als auch Rogan scheinen nicht bereit, ihre Verbindung zu gefährden. Dies zeigt sich an Rogans überraschendem Besuch im Oval Office. Im Gegensatz dazu distanzierte sich Trump kürzlich von seinem langjährigen Verbündeten Tucker Carlson, den er als „Person mit niedrigem IQ“ bezeichnete, nachdem dieser den Iran-Krieg kritisiert hatte.
Trumps Team schätzt Rogan offenbar als weniger ideologisch gebunden ein – und damit als wertvollen Verbündeten, dessen Einfluss auf junge männliche Zuhörer weiterhin entscheidend für die politische Zukunft des Präsidenten sein könnte.