Britische Regierung stärkt FinTech mit Stablecoin-Regulierung

Die britische Regierung will Stablecoins und Tokenisierung als zentrale Elemente für zukünftige Zahlungssysteme etablieren. In einer offiziellen Erklärung kündigte das Finanzministerium am Dienstag ein umfassendes Reformpaket an, das die Regulierung digitaler Zahlungsmethoden modernisieren soll.

Neue Rahmenbedingungen für digitale Zahlungen

Das Reformpaket sieht vor, ein einheitliches Regelwerk für traditionelle und tokenisierte Zahlungen zu schaffen. Damit soll die Nutzung von Stablecoins und anderen digitalen Vermögenswerten im britischen Finanzsystem erleichtert werden. Zudem wird geprüft, wie sich die Regulierung an die zunehmende Automatisierung durch KI-Agenten anpassen muss.

Derzeit spielen Stablecoins im UK noch eine untergeordnete Rolle. Die Finanzaufsichtsbehörde FCA arbeitet jedoch an einem neuen Regelwerk für Kryptoassets, das ab Oktober 2027 in Kraft treten soll.

„FinTech ist eine echte britische Erfolgsgeschichte. Wir unterstützen die Branche dabei, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und das Wachstum weiter voranzutreiben.“

Lucy Rigby, Staatssekretärin im Finanzministerium

Neuer Digitalmarkt-Champion ernannt

Als Teil der Strategie wurde Chris Woolard CBE zum neuen „Wholesale Digital Markets Champion“ ernannt. Seine Aufgabe ist es, ein tokenisiertes Großhandels-Finanzmarktsystem aufzubauen, um die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit des Sektors zu steigern.

Woolard bringt umfassende Erfahrung mit: Er war zuvor Vorstandsmitglied und interimistischer CEO der FCA, arbeitete als Regierungsbeamter und war kurzzeitig bei der Bank of England tätig. Aktuell ist er Partner bei Ernst & Young.

Stablecoin-Offensive soll UK als Digital-Asset-Standort stärken

Die Regierung plant zudem, die gesetzlichen Hürden für die Ausgabe von Stablecoins zu senken. Ziel ist es, das UK als führenden Standort für digitale Assets zu positionieren – bei gleichzeitiger Wahrung notwendiger Sicherheitsstandards. Konkrete Details zu den geplanten Maßnahmen wurden jedoch nicht veröffentlicht.

Derzeit dominieren US-Unternehmen den Stablecoin-Markt, insbesondere Dollar-gedeckte Token. Pfund-gebundene Stablecoins sind mit einem Marktvolumen von lediglich 30 Millionen US-Dollar (laut DefiLlama) kaum verbreitet. Tether, der größte Stablecoin-Emittent, hatte zwar einen Pfund-Token eingeführt, dieser fand jedoch kaum Akzeptanz.

Internationaler Wettbewerb um Krypto-Regulierung

Die Bank of England hatte zuvor internationale Standards für Stablecoins gefordert. Dante Disparte, Chief Strategy Officer bei Circle, warnte kürzlich in einem Meinungsbeitrag, dass das UK im Vergleich zu den USA und der EU bei der Regulierung von Stablecoins hinterherhinkt.

Während die USA mit dem „Clarity Act“ eine schnelle Regulierung vorantreiben, hat die EU bereits mit der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) ein umfassendes Regelwerk für Krypto und tokenisierte Assets geschaffen. Analysten sehen darin einen wichtigen Schritt zur Förderung der Token-Adoption.

Die britische Regierung betont, mit ihren Plänen dem Vorbild der EU und USA zu folgen. Woolards Ernennung soll dazu beitragen, die „nächste digitale Revolution“ im Finanzsektor voranzutreiben, wie Rigby erklärte.

Mathew Di Salvo ist Korrespondent bei DL News. Hinweise oder Tipps können per E-Mail an [email protected] gesendet werden.

Quelle: DL News