Der Supreme Court der USA hat mit seiner konservativen Mehrheit erneut ein zentrales Instrument gegen rassistische Wahlmanipulationen ausgehebelt. In der Entscheidung Louisiana v. Callais wurde Section 2 des Voting Rights Act faktisch abgeschafft – ein Gesetz, das seit 1965 den Schutz von Minderheiten vor Wahlrechtsbenachteiligung garantierte.

Die Begründung des Gerichts ist dabei besonders zynisch: Laut Supreme Court ist es nun selbst diskriminierend, gegen rassistische Wahlkreis-Ziehung (Gerrymandering) vorzugehen. Damit wird der Kampf gegen strukturellen Rassismus im Wahlsystem als ungerecht dargestellt – eine Argumentation, die historische Fortschritte ignoriert und neue Möglichkeiten für rassistische Praktiken eröffnet.

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie brisant diese Entscheidung ist: Der Bundesstaat Louisiana, in dem etwa 30 Prozent der Bevölkerung schwarz sind, verfügte bisher über sechs Wahlkreise, von denen zwei mehrheitlich von Schwarzen bewohnt wurden. Diese Repräsentation soll nun durch die neue Rechtsprechung gefährdet sein. Kritiker warnen, dass die Entscheidung rassistische Wahlkreis-Manipulationen legalisiert und damit die politische Teilhabe von Minderheiten weiter einschränkt.

Historischer Rückschritt statt Fortschritt

Der Voting Rights Act von 1965 war ein Meilenstein im Kampf gegen Rassentrennung und Wahlrechtsunterdrückung. Section 2 verbot jede Form von Wahlrechtsdiskriminierung und ermöglichte es, ungerechte Wahlkreis-Einteilungen anzufechten. Doch die aktuelle Supreme-Court-Entscheidung kehrt diese Errungenschaft um. „Es ist ein Affront gegen die Geschichte der USA und gegen grundlegende mathematische Logik“, kommentiert ein Verfassungsrechtler.

Die Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Bundesstaaten bereits versuchen, die Wahlbeteiligung von Minderheiten durch neue Gesetze einzuschränken. Mit dem Wegfall von Section 2 fehlt nun ein zentrales Instrument, um solche Praktiken zu bekämpfen. Experten befürchten, dass rassistische Wahlkreis-Ziehung in Zukunft noch systematischer betrieben werden kann – mit gravierenden Folgen für die Demokratie.

Reaktionen aus Politik und Zivilgesellschaft

Die Kritik an der Supreme-Court-Entscheidung ist massiv. Bürgerrechtsorganisationen wie die NAACP sprechen von einem „Angriff auf die Demokratie“ und kündigen rechtliche Gegenwehr an. Auch demokratische Politiker verurteilen das Urteil scharf. Präsident Joe Biden bezeichnete die Entscheidung als „weiteren Angriff auf die Grundfesten der amerikanischen Demokratie“.

Auf der anderen Seite begrüßen konservative Gruppen und republikanische Politiker die Entscheidung. Für sie ist sie ein Sieg gegen angebliche „Bevorzugung“ von Minderheiten und ein Schritt hin zu mehr „neutralen“ Wahlkreis-Einteilungen – eine Argumentation, die von Kritikern als „rassistische Umdeutung von Gleichberechtigung“ bezeichnet wird.

Was kommt als Nächstes?

Die Entscheidung in Louisiana v. Callais wird weitreichende Folgen haben. Nicht nur in Louisiana, sondern in vielen Bundesstaaten mit historisch gewachsenen rassistischen Strukturen könnten Wahlkreis-Manipulationen nun leichter durchgesetzt werden. Bürgerrechtsgruppen kündigen an, vor internationalen Gerichten gegen das Urteil vorzugehen. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Kongress versucht, durch neue Gesetze die Lücken zu schließen, die der Supreme Court gerissen hat.

Eines ist jedoch klar: Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie fragil der Schutz von Minderheitenrechten in den USA geworden ist – und wie sehr die politische Landschaft von rassistischen Strukturen durchzogen bleibt.

Quelle: The Verge