Im Oktober 1957 sorgte Alfa Romeo auf dem Turiner Autosalon für Furore. Der Sprint Speciale (SS) war ein Meisterwerk des Designers Franco Scaglione, der zuvor bereits die legendären B.A.T.-Studien (Berlinetta Aerodinamica Tecnica) für Alfa Romeo gestaltet hatte. Die Verbindung zwischen diesen Konzeptfahrzeugen und dem neuen Serienmodell war unverkennbar.
Wie die B.A.T.-Modelle war auch der Sprint Speciale auf maximale Aerodynamik ausgelegt. Ingenieure testeten Prototypen auf der Strecke zwischen Mailand und Turin, indem sie einem Testfahrzeug Hunderte Wollfäden anbrachten. Die daraus gewonnenen Daten ermöglichten es, die Karosserie im Werk so zu optimieren, dass der Luftwiderstand minimiert wurde. Das Ergebnis war ein schlankes Coupé mit glatten Linien, anfangs aus Aluminium gefertigt, mit Plexiglas-Fenstern und einer markanten, haifischartigen Front. Kein anderes Serienfahrzeug der damaligen Zeit ähnelte ihm.
Mit einem Leergewicht von unter 820 Kilogramm und einem 1,3-Liter-Doppelkammer-Motor (1290 cm³) unter der Haube war der Sprint Speciale für seine Zeit extrem schnell. Obwohl sogar ein Einsatz im Rennsport diskutiert wurde, übernahm später der Zagato-bekleidete SZ diese Rolle. Der Sprint Speciale wurde für den Straßenverkehr gezähmt: Als die ersten Fahrzeuge 1959 ausgeliefert wurden, bestanden die Karosserieteile aus Stahl statt Aluminium, die Scheiben aus Glas statt Plexiglas, und eine Frontstoßstange beendete das Design der frühen „Nasenform“.
1960 erhielten die Fahrzeuge Scheibenbremsen, und 1962 folgte eine Überarbeitung im Stil der neuen Giulia-Modelle von Alfa Romeo. Neben stilistischen Anpassungen erhielt der Sprint Speciale einen stärkeren 1,6-Liter-Motor (1570 cm³) mit zwei Weber-DCOE2-Vergasern. Die Produktion endete offiziell 1966 – in diesem Jahr entstand jedoch nur noch ein einziges Exemplar.
Der Sprint Speciale hatte eine ungewöhnliche Frühphase und hätte eigentlich beliebter sein können. Ein ehemaliger Mitarbeiter von Alfa Romeo, der in den 1960er-Jahren im britischen Hauptsitz arbeitete, berichtete, dass die Fahrzeuge beim Publikum unbeliebt waren. Sie galten als teurer als ein Jaguar E-Type, protzig und etwas vulgär. Alfa Romeo soll sie schließlich sogar als Dienstwagen an Mitarbeiter vergeben haben. Die Verkaufszahlen spiegelten dies wider: Insgesamt entstanden 1.366 Giulietta SS und 1.400 Giulia SS, wobei nur 25 der letzteren auf Rechtslenker umgerüstet wurden.
Mit der Zeit stieg jedoch das Ansehen des Sprint Speciale. Bis 2012 erreichten Top-Exemplare beider Modelle Preise von über 150.000 US-Dollar. Seitdem haben sich die Werte beider Varianten parallel entwickelt und in den letzten Jahren ihren Höhepunkt erreicht.