Die Modewelt hat sich gewandelt: Was einst als snobistisches Elitedenken galt, ist heute von Internetkultur und Algorithmen geprägt. In „The Devil Wears Prada 2“, der ab Freitag in den Kinos läuft, wird diese Verschiebung zum zentralen Thema. Nicht mehr Miranda Priestly (Meryl Streep) verkörpert den Teufel, sondern die unberechenbaren Mächte des Digitalzeitalters.

Die Handlung setzt 20 Jahre nach dem Original ein. Andy Sachs (Anne Hathaway), einst Assistentin bei der Modezeitschrift Runway, kehrt als neue Features-Redakteurin zurück – just in dem Moment, als das Blatt in eine Existenzkrise gerät. Ein investigativer Artikel über eine Shein-ähnliche Fast-Fashion-Marke, der die Ausbeutung von Arbeitskräften ignoriert, löst einen Shitstorm aus. Gleichzeitig droht die Übernahme durch den tech-affinen Medienmogul Benji Barnes (Justin Theroux), eine Anspielung auf Jeff Bezos.

Fashion als Spiegel der Gesellschaft

Der Film zeigt, wie sich die Modebranche verändert hat: Sie ist inklusiver, selbstreflektierter und weniger hierarchisch. Die einst typischen Machtkämpfe und sarkastischen Sprüche Mirandas wirken heute altmodisch. Stattdessen dominieren Budgets, Werbepartner und Klickzahlen die Entscheidungen. Selbst Miranda, die Ikone der ersten Stunde, stolpert über Begriffe wie „Body Positivity“ – ein Zeichen dafür, dass die Regeln neu geschrieben wurden.

Doch der Wandel hat auch seine Schattenseiten. Die Branche ist nun abhängig von den Launen des Internets. Virale Trends ersetzen journalistische Standards, und die Macht liegt bei den Plattformen, nicht mehr bei den Kreativen. „The Devil Wears Prada 2“ reflektiert damit nicht nur die Medienkrise, sondern auch die gesellschaftlichen Umbrüche der letzten zwei Jahrzehnte.

Prominente Auftritte und Markenkooperationen

Neben Meryl Streep und Anne Hathaway glänzt Emily Blunt in der Rolle der Emily Charlton, nun bei Dior tätig. Auch andere Luxusmarken wie Dolce & Gabbana haben Cameos. Selbst Chanel ist vertreten: Matthieu Blazy präsentierte seine erste Resort-Kollektion auf einer „plage“-inspirierten Laufstegshow, während A$AP Rocky mit Babyschuhen für die Marke Furore machte. Paris Hilton und Mariah Carey zählen zu den Fans der im Film gezeigten Runway-Sonderausgabe.

Doch nicht nur die Modewelt ist im Film präsent. Tony Ferreira, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Paris Hilton und Mariah Carey, eröffnet in Beverly Hills sein eigenes Geschäft, The Swan House. Gleichzeitig feiert die Organisation Fashion Trust U.S. lokale Kreativität mit einer Kooperation mit Mother Denim.

Ein Film zwischen Nostalgie und Realität

The Devil Wears Prada 2“ ist kein reiner Comedy-Film mehr. Die humorvollen Momente – etwa wenn Miranda mit modernen Begriffen kämpft – wirken zwar charmant, doch der Unterton ist ernst. Die Medienbranche steht vor existenziellen Fragen: Wie viel Kommerz verträgt der Journalismus? Wer kontrolliert die Narrative – die Redaktionen oder die Algorithmen? Der Film stellt diese Fragen, ohne einfache Antworten zu liefern.

Eines ist jedoch klar: Die Modewelt von heute ist weniger elitär, aber nicht weniger komplex. Und die wahren Teufel tragen keine Prada-Schuhe mehr – sie programmieren die Codes, die unsere Aufmerksamkeit stehlen.

Quelle: The Wrap