Östrogen-Pflaster knapp: Warum die Versorgung stockt
Die Nachfrage nach Östrogen-Pflastern hat die verfügbare Menge überschritten. Alle fünf Hersteller arbeiten mit voller Kapazität, können den Bedarf aber nicht decken. Das US-Gesundheitsministerium bestätigte gegenüber Healthline, dass zwar keine offizielle nationale Knappheit erklärt wurde, die Lage jedoch angespannt bleibt. Betroffene Frauen berichten in Apotheken regelmäßig von Lieferengpässen.
Laut Reuters könnte die Versorgungslücke bis zu drei Jahre anhalten. Die Pflaster sind eine gängige Form der Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren, neben Tabletten und anderen Anwendungsformen. Aktuell führen eine gestiegene Nachfrage, Lieferkettenprobleme und begrenzte Produktionskapazitäten zu Engpässen. Viele Frauen müssen zwischen Marken, Dosierungen wechseln oder auf Alternativen ausweichen.
Gründe für die Knappheit: Was die Nachfrage antreibt
Die Verschreibung von Östrogen-haltigen HRT-Präparaten hat sich seit 2018 mehr als verdreifacht. Besonders bei Frauen zwischen 45 und 54 Jahren stieg die Verordnungsrate um 184%. Im Februar 2026 hatte etwa jede 20. Frau dieser Altersgruppe ein entsprechendes Rezept.
Ein zentraler Auslöser war die Entfernung der „Black-Box-Warnungen“ durch die US-Arzneimittelbehörde FDA im November 2025. Diese Warnungen waren seit 2002 auf Packungen zu finden und basierten auf der Women’s Health Initiative-Studie, die mögliche Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs thematisierte. Die FDA revidierte die Warnungen nach einer Überprüfung, da sie für viele Frauen übertrieben seien – insbesondere für jene, die die Therapie kurz nach Beginn der Wechseljahre starten.
„Wir haben die Black-Box-Warnungen bei der Hormonersatztherapie entfernt, um Frauen die Wahrheit über die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Vorteile zu sagen.“
Marty Makary, FDA-Kommissar
Dr. G. Thomas Ruiz, Gynäkologe am MemorialCare Orange Coast Medical Center in Kalifornien, bestätigt den deutlichen Anstieg in seiner Praxis: „Sobald die FDA die Warnungen lockerte, kamen plötzlich viele Patientinnen zu mir, die keine Angst mehr hatten.“
Wirksame Alternativen zu Östrogen-Pflastern
Frauen, die keine Pflaster erhalten, können auf andere HRT-Formen ausweichen. Diese sind ebenso wirksam gegen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen:
- Östrogen-Gele: Einfach auf die Haut aufzutragen, gut verträglich und dosierbar.
- Östrogen-Sprays: Schnelle Anwendung, gleichmäßige Wirkstoffverteilung.
- Östrogen-Tabletten: Klassische Einnahmeform, einfach in der Handhabung.
- Vaginale Östrogene: Spezielle Cremes oder Zäpfchen für lokale Beschwerden.
- Hormonfreie Alternativen: Pflanzliche Präparate wie Traubensilberkerze oder Rotklee können Linderung verschaffen.
Experten raten, mit dem behandelnden Arzt über die beste Alternative zu sprechen. Die Therapie sollte individuell angepasst werden, um Nebenwirkungen zu minimieren.
Ausblick: Wann normalisiert sich die Versorgung?
Die Hersteller arbeiten an einer Ausweitung der Produktion, doch bis die Nachfrage gedeckt ist, könnte es Jahre dauern. Frauen sollten frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über Alternativen sprechen, um die Therapie nahtlos fortzusetzen.