Die Vorabgenehmigung (Prior Authorization) im US-Gesundheitssystem ist ein zentrales Streitthema zwischen Patienten, Ärzten und Versicherern. Doch was steckt wirklich hinter diesem Verfahren? Archelle Georgiou, ehemalige Führungskraft bei UnitedHealth Group, gibt in einem exklusiven Interview mit STAT+ überraschende Einblicke in die Mechanismen und Ziele der Vorabgenehmigung.

Frust bei Patienten und Ärzten: Warum die Vorabgenehmigung so umstritten ist

Viele Amerikaner kennen das Problem: Bevor eine medizinische Behandlung oder ein Medikament erstattet wird, muss eine Vorabgenehmigung bei der Krankenversicherung eingeholt werden. Dieser bürokratische Prozess verzögert oft die Versorgung, führt zu unnötigen Kosten und belastet sowohl Patienten als auch Ärzte.

Georgiou, die früher als Chief Medical Officer bei UnitedHealth Group tätig war, erklärt: „Die Ablehnung ist das eigentliche Ergebnis.“ Sie betont, dass die Vorabgenehmigung in vielen Fällen nicht der Kostenkontrolle dient, sondern als Instrument genutzt wird, um Behandlungen zu blockieren – selbst wenn diese medizinisch notwendig sind.

Wie die Vorabgenehmigung funktioniert – und warum sie scheitert

Das Verfahren der Vorabgenehmigung sieht vor, dass Ärzte oder Krankenhäuser vor einer Behandlung eine Genehmigung der Versicherung einholen müssen. Doch in der Praxis führt dies oft zu langen Wartezeiten und zusätzlichen Hürden:

  • Komplexe Richtlinien: Jede Versicherung hat eigene, oft undurchsichtige Kriterien für die Genehmigung.
  • Manuelle Prüfungen: Viele Anträge werden von Sachbearbeitern geprüft, die nicht immer medizinisch ausgebildet sind.
  • Automatische Ablehnungen: In einigen Fällen werden Anträge pauschal abgelehnt, ohne individuelle Prüfung.

Georgiou kritisiert, dass das System nicht auf Effizienz, sondern auf Kontrolle ausgelegt ist. „Es geht nicht darum, unnötige Behandlungen zu verhindern, sondern darum, Kosten zu sparen – auf Kosten der Patienten.“

Was sich ändern muss: Forderungen nach Reformen

Experten wie Georgiou fordern eine grundlegende Reform des Systems. Zu den wichtigsten Forderungen gehören:

  • Vereinfachung der Richtlinien: Klare, einheitliche Kriterien für alle Versicherer.
  • Automatisierung: Digitale Lösungen, um manuelle Prüfungen zu reduzieren.
  • Transparenz: Patienten und Ärzte müssen nachvollziehen können, warum eine Genehmigung verweigert wurde.

Die Debatte um die Vorabgenehmigung zeigt, wie tiefgreifend das US-Gesundheitssystem reformiert werden muss – damit Patienten schneller und besser versorgt werden können.

„Die Vorabgenehmigung ist kein Instrument der Qualitätssicherung, sondern ein bürokratisches Hindernis.“
– Archelle Georgiou, ehemalige CMO bei UnitedHealth Group

Quelle: STAT News