Ein Mann aus Colorado wird seit Monaten von der Polizei gestoppt, obwohl er keine Straftat begangen hat. Kyle Dausman aus Cherry Hills Village, einem Vorort von Denver, steckt in einer absurden Situation fest: Jedes Mal, wenn er sein Haus verlässt, wird er von Polizisten verfolgt – ausgelöst durch ein KI-gestütztes Überwachungssystem.

Dausman erklärte dem lokalen Sender 9News, dass seine Fahrt mit dem Truck regelmäßig zu unangekündigten Polizeikontrollen führt. Die Beamten werden automatisch alarmiert, sobald das System ein Fahrzeug mit einem vermeintlichen Haftbefehl erkennt. „Ich werde ständig angehalten. Ich kann meinen Truck praktisch nicht mehr nutzen. Ich fühle mich in meiner Sicherheit bedroht“, sagte der 40-Jährige.

Die Polizei von Cherry Hills Village bestätigte auf Nachfrage, dass Dausman unschuldig ist. Der Grund für die wiederholten Kontrollen: Sein Kennzeichen wurde fälschlicherweise mit einem Haftbefehl in der Colorado Crime Information Center-Datenbank verknüpft. Verantwortlich dafür ist das US-Unternehmen Flock Safety, dessen automatische Kennzeichenerfassungssysteme (ALPR) in den USA immer häufiger eingesetzt werden.

Allein im Großraum Denver sind Hunderte dieser Kameras im Einsatz. In der Region Arapahoe County, zu der Cherry Hills Village gehört, dokumentiert das Bürgerprojekt DeFlock mindestens 283 aktive Kameras. Obwohl die Polizei von Cherry Hills den Irrtum nach wenigen Kontrollen erkannte und Dausman von der Überwachungsliste strich, bleibt das Problem bestehen: In anderen Bezirken löst sein Kennzeichen weiterhin Alarme aus.

„Überall im Bundesstaat bekomme ich jedes Mal, wenn ich eine Kamera passiere, einen Alarm in ihrem Streifenwagen“, erklärte Dausman. Der falsche Haftbefehl geht auf einen Datenbankfehler im Jahr 2022 zurück, der aus dem Gilpin County stammt. Als Dausman versuchte, den Fehler zu korrigieren, scheiterte er an den Behörden: Die zuständige Stelle verlangte den Namen des mutmaßlichen Täters – eine Information, die keine Strafverfolgungsbehörde preisgeben darf, solange der Fall noch anhängig ist.

„Sobald man im Flock-System ist, liegt es an einem selbst, wieder rauszukommen. Man trägt die volle Verantwortung dafür“, sagte Dausman. Mittlerweile ist sein Kennzeichen mit einem schwarzen Fleck markiert. Jede Fahrt könnte nun zu kostspieligen Verzögerungen führen – sei es auf dem Weg zur Arbeit oder zu Arztterminen. Da er nicht weiß, worauf der Haftbefehl lautet, fürchtet er unberechenbare Reaktionen der Polizei bei einer Kontrolle.

„Ich weiß nur, dass ich jetzt im System bin. Und es gibt keinen einfachen Weg, wieder rauszukommen“, resümierte der Coloradoer.

Hintergrund: Wie KI-gestützte Überwachungssysteme funktionieren

Flock Safety ist eines der führenden Unternehmen für automatische Kennzeichenerfassung in den USA. Die ALPR-Technologie nutzt KI-Algorithmen, um Kennzeichen in Echtzeit zu scannen und mit Datenbanken wie dem National Crime Information Center abzugleichen. Wird ein Treffer gemeldet, erhalten Polizeistreifen eine sofortige Benachrichtigung. Kritiker warnen jedoch vor Fehlalarmen, Datenschutzrisiken und der zunehmenden Überwachung im öffentlichen Raum.

Forderungen nach Reformen

Dausmans Fall wirft erneut Fragen zur Zuverlässigkeit solcher Systeme auf. Bürgerrechtsorganisationen fordern strengere Kontrollen und transparente Mechanismen zur Fehlerkorrektur. Bis dahin bleibt Dausman in einem Teufelskreis aus falschen Alarmen und willkürlichen Polizeikontrollen gefangen.

Quelle: Futurism