Der Senat von Florida stimmt heute über ein umstrittenes Gesetz ab, das Eltern den Verzicht auf Kinderimpfungen deutlich erleichtern würde. Bisher waren medizinische oder religiöse Gründe erforderlich, um Impfungen abzulehnen. Künftig sollen jedoch auch „philosophische oder weltanschauliche Überzeugungen“ als ausreichender Grund gelten.
Damit könnten Eltern ohne weitere Begründung auf Schutzimpfungen gegen Krankheiten wie Polio, Tetanus oder Masern verzichten. Die geplante Gesetzesänderung ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, mit denen Florida sich gegen öffentliche Gesundheitsvorschriften stellt – von der Ablehnung von Maskenpflichten während der Pandemie bis hin zur Infragestellung von Fluoridierung im Trinkwasser.
Floridas Gesundheitsbehörde unter der Führung von Dr. Joseph Ladapo
Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht der amtierende Staatschirurg Dr. Joseph Ladapo. Der Harvard-Absolvent mit medizinischem und wissenschaftlichem Hintergrund hat sich in den letzten Jahren als vehementer Kritiker von Impfpflichten und öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen profiliert. Seine Entscheidungen widersprechen regelmäßig den Empfehlungen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und anderer Behörden.
Bereits 2021 führte Ladapo eine Regel ein, die Eltern die Wahl ließ, ob sie sich an Schulmaskenpflichten halten. Ein Jahr später empfahl er, gesunde Kinder nicht gegen Covid-19 zu impfen – trotz gegenteiliger CDC-Empfehlungen. 2023 forderte er die US-Arzneimittelbehörde FDA auf, alle Covid-19-Impfstoffe zu stoppen, da er mögliche Krebsrisiken durch bestimmte Impfstoffbestandteile behauptete. Die FDA bezeichnete diese Aussagen als „irreführend“.
Während eines Masernausbruchs 2024 riet Ladapo Eltern und Erziehungsberechtigten, selbst über die Schulbesuchspflicht zu entscheiden – statt sich an die 21-tägige Quarantäneempfehlung der CDC zu halten. Im vergangenen Herbst kündigten Ladapo und Gouverneur Ron DeSantis an, Impfpflichten aus dem Landesrecht streichen zu wollen.
Ladapos umstrittene Weltanschauung
Ladapos Haltung zu Impfungen und öffentlicher Gesundheit wird nicht nur von libertären Überzeugungen geprägt, sondern auch von esoterischen Einflüssen. In seiner Autobiografie beschreibt er seine enge Verbindung zu einem spirituellen Lehrer und ehemaligen Navy SEAL, Christopher Maher, dessen Lehren sein Weltbild maßgeblich prägten.
Maher, der sich selbst als Experte für „traditionelle chinesische Medizin“ bezeichnet, bietet Behandlungen an, die wissenschaftlich nicht anerkannt sind. Eine davon, die „Body of Light“-Therapie, beschreibt er als „energetischen Prozess zur Auflösung negativer Stressmuster“. Eine weitere Methode, die er „Sha-King“-Medizin nennt, soll „komplexen Stress direkt behandeln“. Ladapo schrieb in seinem Buch:
„Danke dem Herrn, dass ich auf sie gehört habe – denn nach der Arbeit mit ihm wurde ich endlich wirklich frei.“
Diese esoterischen Ansätze stehen im Widerspruch zu Ladapos akademischer Ausbildung und seiner Rolle als staatlicher Gesundheitsverantwortlicher. Kritiker werfen ihm vor, wissenschaftliche Erkenntnisse zugunsten persönlicher Überzeugungen zu ignorieren.
Die geplante Gesetzesänderung zur Impfausnahme wird nun im Senat diskutiert. Sollte sie verabschiedet werden, könnte Florida zum Vorbild für andere Bundesstaaten werden, die ähnliche Lockerungen anstreben – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für die öffentliche Gesundheit.