Die NFL steht erneut in der Kritik: Neben den anhaltenden politischen Auseinandersetzungen um ihre Ausnahmeregelungen für den Sportübertragungsmarkt hat nun auch Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier die Liga mit einer Vorladung konfrontiert. Uthmeier wirft der NFL vor, gegen das Florida Deceptive and Unfair Trade Practices Act verstoßen zu haben, indem sie Änderungen an ihren öffentlichen Richtlinien zur „inklusiven Einstellungspolitik“ vorgenommen habe.

In einem am Mittwoch verschickten Schreiben an die NFL-Führung wirft Uthmeier der Liga vor, ihre früheren Darstellungen zu den Diversitätsprogrammen auf der Website entfernt zu haben, ohne diese korrekt zu aktualisieren. Er fragt:

„Wenn diese Angaben nicht mehr den aktuellen Programmen und Richtlinien der NFL entsprechen, warum waren sie dann überhaupt dort?“

Die Vorladung markiert eine Eskalation in Uthmeiers Vorgehen gegen die NFL. Zunächst hatte er sich auf die Rooney Rule konzentriert und gefordert, dass die drei in Florida ansässigen Teams (Jaguars, Buccaneers, Dolphins) diese Regel aussetzen. Nun richtet sich sein Fokus auf weitere Diversitätsinitiativen der Liga, darunter ein Programm, das Teams mit zusätzlichen Draft-Picks belohnt, wenn sie Minderheiten-Talente zu General Managern oder Head Coaches entwickeln.

Uthmeier argumentiert, dass dieses System keine neutrale Beschäftigungspolitik sei, sondern eine direkte Aufforderung, bei Einstellungen und Entwicklungen von Kandidaten nach Rasse und Geschlecht zu unterscheiden – was gegen floridisches Recht verstoße. Er schreibt:

„Diese Draft-Picks werden erst vergeben, nachdem ein Mitarbeiter von einem anderen Team als Head Coach eingestellt wurde. Doch was bedeutet das schon? Am Ende handelt es sich um eine rückwirkende Belohnung für die ursprüngliche Einstellung und Förderung von Minderheitenkandidaten – und das ist keine rassenneutrale Politik.“

Die NFL hat auf Uthmeiers erste Anfrage bereits im Mai reagiert, doch der Generalstaatsanwalt sieht darin keine ausreichende Klärung. Vielmehr könnte die Vorladung den Weg für ein formelles Durchsetzungsverfahren ebnen, entweder wegen der angeblichen rassistischen Verzerrungen in den Diversitätsprogrammen oder wegen der mutmaßlichen Falschdarstellungen der Liga – oder beidem.

Ungeklärt bleibt zudem, ob die US-Regierung ihre Prüfung der NFL-Politik ausweiten wird, um auch die Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsrichtlinien der Liga genauer unter die Lupe zu nehmen. Eines ist jedoch klar: Die NFL hat derzeit mit mehreren öffentlichen und politischen Problemen zu kämpfen, für die sie bisher keine überzeugenden Lösungen gefunden hat.