Die TV-Upfronts-Saison 2024 markiert einen Wendepunkt: Netzwerke und Streamingdienste erkennen das Potenzial von Content Creators als zentrale Werbepartner. Doch während einige Player gezielt auf Creator setzen, bleiben andere zurückhaltend.
Traditionelle Medienhäuser zwischen Zurückhaltung und Innovation
NBCUniversal und Disney agierten in dieser Saison auffällig zurückhaltend. Statt explizit von „Creators“ zu sprechen, verwiesen sie indirekt auf das wachsende Ökosystem. Peacock geht einen Schritt weiter: Der Streamingdienst kündigte eine Reihe unscripted Microdramas mit Stars von Bravo an, die diesen Sommer erscheinen sollen. Ein Trend, der sowohl bei unabhängigen Creators als auch in Hollywood an Bedeutung gewinnt.
Disney setzt ebenfalls auf Creator – wenn auch ohne das Wort direkt zu nennen. So wird Robert Irwin, Gewinner von „Dancing with the Stars“ und TikTok-Star mit über 10 Millionen Followern, eine Spin-off-Show des Formats moderieren. Zudem präsentierte das Unternehmen die Savannah Bananas, ein viral gegangenes Baseball-Team, das sein Championship-Spiel auf Disney+ übertragen wird.
Fox, Amazon und Warner Bros. Discovery: Offensiv und kreativ
Fox präsentierte mit Fox Creator Studios ein Programm, das seit Januar 2024 Creator bei der Entwicklung von IP, Unterhaltungsformaten und Apps unterstützt. Zudem betonte das Unternehmen die Bedeutung von Creator-Inhalten für seine Werbekunden.
Amazon setzte auf eine spektakuläre Präsentation: Rapperin Tierra Whack demonstrierte die Macht von Twitch, indem sie ihren Chat in Echtzeit öffnete und überraschenderweise Rapperin Ice Spice als Gast einlud. Zudem kündigte Amazon an, ausgewählte NBA- und WNBA-Spiele der kommenden Saison als Creator-Livestreams auf Twitch zu übertragen.
Warner Bros. Discovery (WBD) präsentierte mit dem Food Network eine innovative Strategie: Die Zusammenarbeit mit TikTok führte zur „Food Creator Hot List“. Zudem sollen weitere Kooperationen mit TikTok, YouTube Originals und Creator wie Nick DiGiovanni folgen.
Netflix und YouTube: Investitionen in Creator-Content
Netflix setzte in dieser Upfronts-Saison stärker auf Creator als je zuvor. Das Unternehmen präsentierte eine Vielzahl von Podcasts sowie kommende Serien von Salish, Jordan Matter, Mark Rober und Alan Chikin Chow. Auch Alix Earle, die bereits eine unscripted Serie mit Netflix hat, trat bei der Veranstaltung auf.
YouTube zeigte einen deutlichen Wandel: Statt wie in der Vergangenheit nur Zuschauerzahlen zu betonen, stellte das Unternehmen konkrete Formate wie „Keep the Meter Running“ von Kareem Rahma und „Outside Tonight“ von Julian Shapiro-Barnum vor. Ein klarer Shift hin zu hochwertigen, werbefinanzierten Inhalten.
MrBeast: Der nächste Schritt in der Medienlandschaft
MrBeast ging noch einen Schritt weiter und veranstaltete seine eigene Upfront-Party. CEO Jeff Housenbold präsentierte das Unternehmen nicht mehr nur als YouTube-Kanal, sondern als „nächste Generation einer Medienplattform im Zeitalter der KI“. Mit 1,3 Milliarden einzigartigen Nutzern in 90 Tagen und 48 % Co-Viewing-Rate unterstreicht MrBeast seine globale Reichweite.
Fazit: Die Zukunft der Werbung liegt in den Händen der Creator
Die TV-Upfronts 2024 zeigen: Creator sind längst keine Nische mehr, sondern ein zentraler Baustein der Werbebranche. Während traditionelle Medienhäuser noch zögern, setzen innovative Player wie Amazon, Fox und MrBeast auf direkte Kooperationen. Die Branche steht vor einem tiefgreifenden Wandel – hin zu mehr Authentizität, Reichweite und Zielgruppengenauigkeit.