Die U.S. Navy hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Erstmals wurde ein Hochenergie-Laser auf einem Flugzeugträger eingesetzt, um Drohnen abzuwehren. Die USS George H.W. Bush, ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse, demonstrierte im Oktober 2025 die Wirksamkeit eines 20-Kilowatt-Lasersystems (P-HEL) während eines Live-Tests im Atlantik. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht und zeigen, dass laserbasierte Abwehrsysteme eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Waffen darstellen.

Erfolgreicher Drohnenabwehrtest auf See

Der getestete Palletized High Energy Laser (P-HEL) basiert auf dem LOCUST-Lasersystem des Rüstungskonzerns AV und wurde der Navy vorübergehend von der U.S. Army zur Verfügung gestellt. Laut AV konnte der Laser mehrere Drohnen – darunter auch Schwärme – erfassen, verfolgen und ausschalten. Insgesamt wurden 17 Drohnen während des Tests neutralisiert. Die Navy bestätigte, dass dies ein entscheidender Schritt hin zur flächendeckenden Einführung von Directed-Energy-Waffen in der Marine ist.

Vorteile von Lasern auf Flugzeugträgern

Ein entscheidender Vorteil des Einsatzes auf Flugzeugträgern liegt in der Energieversorgung. Im Gegensatz zu Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse, die mit dem 60-kW-Lasersystem HELIOS und dem schwächeren ODIN ausgestattet sind, verfügen Flugzeugträger über ausreichend Energie durch ihre Kernreaktoren. John Garrity, Vizepräsident für Directed Energy Systems bei AV, betonte, dass die P-HEL-Einheit problemlos von den Reaktoren des Trägers gespeist werden konnte. Dies widerlegt Bedenken, dass der hohe Energiebedarf moderner Radarsysteme wie des AN/SPY-6 den Einsatz von Lasern auf Zerstörern einschränken könnte.

Modularität und zukünftige Einsatzmöglichkeiten

Der Einsatz eines containerisierten Lasersystems auf der USS George H.W. Bush entspricht der Vision von Admiral Daryl Caudle, dem Chief of Naval Operations. Dieser strebt eine Flotte an, die durch modulare, austauschbare Waffensysteme flexibler und anpassungsfähiger wird. Bisher waren Laserwaffen wie HELIOS und ODIN fest in die Aegis-Kampfsysteme der Zerstörer integriert. Der modulare Ansatz des LOCUST-Systems ermöglicht jedoch eine schnellere Anpassung an neue Bedrohungen.

Neben dem Flugzeugträger wird das LOCUST-System bereits in anderen Teilstreitkräften erprobt. Die U.S. Army setzt es auf M1301 Infantry Squad Vehicles und Joint Light Tactical Vehicles ein. Die U.S. Marine Corps hat zudem einen Auftrag zur Integration des Systems in ein Joint Light Tactical Vehicle (JLTV) vergeben, wobei die Auslieferung noch aussteht. Auch die Navy diskutiert seit 2024 über mögliche Tests auf U-Booten.

Herausforderungen und Grenzen

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es weiterhin Herausforderungen. Die Effektivität von Lasern hängt stark von Wetterbedingungen wie Nebel oder Regen ab, die die Reichweite und Präzision beeinträchtigen können. Zudem erfordert die Integration in bestehende Systeme umfangreiche Anpassungen. Dennoch zeigt der Erfolg auf der USS George H.W. Bush, dass laserbasierte Waffen eine realistische Option für die Zukunft der Marine darstellen.

„Der Einsatz auf einem Flugzeugträger hat bewiesen, dass Hochenergie-Laser nicht nur technisch machbar, sondern auch operationell sinnvoll sind. Die Energieversorgung ist kein Hindernis mehr.“
John Garrity, AV Vizepräsident für Directed Energy Systems

Fazit: Laserwaffen auf dem Vormarsch

Die Tests auf der USS George H.W. Bush markieren einen Wendepunkt in der Entwicklung von Directed-Energy-Waffen. Während Flugzeugträger durch ihre Energieversorgung ideale Plattformen darstellen, bleibt die Integration auf kleineren Schiffen eine Herausforderung. Dennoch könnte der modulare Ansatz des LOCUST-Systems den Weg für eine breitere Einführung ebnen. Die U.S. Navy und andere Teilstreitkräfte arbeiten intensiv an der Weiterentwicklung dieser Technologie, um auf moderne Bedrohungen wie Drohnenschwärme reagieren zu können.