Die Dominikanische Republik war in den späten 1970er-Jahren ein Hotspot für Talentscouts der Major League Baseball. Die wirtschaftliche Not im Land führte dazu, dass junge Spieler für wenig Geld unter Vertrag genommen wurden. Viele von ihnen wurden in die USA geschickt, wo sie mit Sprachbarrieren, Isolation und oft korrupten Agenten konfrontiert waren. George Bell, einer dieser Spieler, erlebte diese Ausbeutung am eigenen Leib – und wurde dafür noch zusätzlich misstrauisch beäugt.

Die Vorurteile gegen Bell waren zahlreich: Sein Englisch war nicht perfekt, sein Spielstil galt als zu aggressiv oder unkonventionell. 1982 spielte er für die Minor-League-Mannschaft Syracuse, als er auf Lynn McGlothen traf, einen erfahrenen Pitcher, der kurz vor dem Karriereende stand. McGlothen hatte bereits Jahre zuvor mit absichtlichen Würfen gegen Batters für Aufsehen gesorgt – darunter ein Vorfall, bei dem Dave Kingman wütend den Mound stürmte. Bell, der als "Showman" galt, wurde von McGlothen gezielt getroffen, was zu schweren Verletzungen an Wange und Kiefer führte.

Während seine Teamkollegen den Pitcher zur Rechenschaft ziehen wollten, lag Bell am Boden und glaubte, seine Baseballkarriere – und damit seine einzige Chance auf ein besseres Leben – sei vorbei. "Er ist tot", dachte er über McGlothen, nicht aus Rache, sondern weil er glaubte, das Schicksal würde den Pitcher eines Tages einholen. Zwei Jahre später starb McGlothen bei einem Brand, bei dem auch ein Freund ums Leben kam. Bell, der sich vollständig erholt hatte und mittlerweile in den Majors spielte, äußerte sich später zu dem Vorfall – mit Worten, die viele als kalt empfanden:

"Menschen wie er entscheiden darüber. Sie haben ein schlechtes Herz. Keine Chance, dass sie am Leben bleiben."

Ob hart oder verständlich – Bells Worte spiegeln die Härte wider, die ihn sein ganzes Leben begleitet hat. Sein Weg von den Straßen der Dominikanischen Republik bis zum Star der Toronto Blue Jays war geprägt von Widerstandsfähigkeit, Schicksalsschlägen und unvergesslichen Momenten auf dem Baseballfeld.

Quelle: SB Nation