Vor mehr als drei Jahrzehnten war der Nachthimmel in Mbem, einem Bergdorf im Nordwesten Kameruns, die einzige Lichtquelle für den jungen Jude Numfor. Strom gab es in seiner abgelegenen Heimat nicht. „Es gab nur einen Mann im Dorf mit einem Benzingenerator und einem kleinen Fernseher“, erinnert er sich. „Wenn er den Generator einschaltete, rannten alle Kinder zu seinem Haus und spähten durch das Fenster.“
Dieser Anblick weckte in Numfor den Wunsch, Strom in seine Heimat zu bringen. 2006 gründete er gemeinsam mit einem Freund die Organisation Wireless Light and Power, die später in Renewable Energy Innovators (REI) Cameroon umbenannt wurde. Als CEO leitet er das Unternehmen, das solarbetriebene Mini-Netze für die ländliche Elektrifizierung entwirft, installiert und wartet.
Solar-Mini-Netze als Lösung für abgelegene Dörfer
Die Mini-Netze von REI Cameroon nutzen Photovoltaik-Technologie und Batteriespeichersysteme, um Strom mit einer Frequenz von 50 Hertz zu erzeugen. Die Energie wird über intelligente Stromzähler an die Haushalte verteilt. 2017 erhielt das Unternehmen eine Förderung von IEEE Smart Village, die den Ausbau der Mini-Netze und die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells ermöglichte.
IEEE Smart Village unterstützt weltweit Projekte, die Strom, Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in abgelegene Gemeinden bringen. Das Programm wird von IEEE-Fachgesellschaften und Spenden an die IEEE Foundation finanziert. Die Zusammenarbeit mit Smart Village führte zur Entwicklung einer Open-Source-Strommessung – ein transparentes, gemeinschaftsbasiertes System zur Erfassung des Energieverbrauchs.
Im Gegensatz zu proprietären Messsystemen ermöglicht diese Lösung Nutzern, Forschern und Versorgern, Daten einzusehen, anzupassen und zu überprüfen. Dadurch wird die Abrechnung transparenter und die Netzverwaltung effizienter. „Es geht nicht nur um Geld, sondern um den Austausch von Ideen und Ratschlägen“, betont Numfor. „Unternehmertum kann einsam sein, aber die Smart-Village-Community macht einen Unterschied.“
Vom Bastler zum Unternehmer
Numfors erste Erfahrung mit Strom machte er 2001, als er bei einer Missionarsfamilie in dem kleinen Dorf Allat lebte. Dort versorgten Solarpaneele das gesamte Haus – ein Luxus, den er aus Mbem nicht kannte. „Ich konnte fernsehen, Eis essen und das Licht einschalten“, erzählt er. „Das weckte in mir den Wunsch, dass auch meine Brüder in Mbem diese Chance bekommen.“
Seine Neugier für Elektrizität wurde geweckt, als ein solarbetriebener Bewegungsmelder im Haus der Missionare nicht mehr funktionierte. Numfor zerlegte das Gerät, um den Defekt zu finden. „Die Familie sagte mir, ich solle damit spielen wie mit einem Spielzeug“, erinnert er sich schmunzelnd. „Ich tauschte die leere Batterie gegen eine Motorradbatterie aus und brachte das Licht für eine Nacht zurück.“
Seine Missionarseltern ermutigten ihn, sich autodidaktisch in Technik und Ingenieurwesen weiterzubilden, da an kamerunischen Universitäten damals keine Studiengänge für Solarenergie angeboten wurden. Sie richteten ihm eine Bibliothek mit Büchern zu Technik, Management und Unternehmertum ein.
2006 gründete Numfor mit seinem Freund Ludwig Teichgraber das Non-Profit-Unternehmen Wireless Light and Power. Ziel war es, gefährliche Kerosinlampen – lokal als „Buschlampen“ bekannt – durch wiederaufladbare Solarlaternen zu ersetzen. Diese Laternen waren der erste Schritt in Richtung einer nachhaltigen Stromversorgung für ländliche Gemeinden.