Seit Jahrzehnten versuchen Astronomen mit Teleskopen wie Hubble einen Blick auf die frühe Phase des Universums zu werfen, als die ersten Sterne entstanden. Doch die winzigen Galaxien, die als Bausteine des heutigen Kosmos gelten, waren selbst für die leistungsfähigsten Instrumente zu lichtschwach. Jetzt scheint den Forschern ein entscheidender Durchbruch gelungen zu sein: das James-Webb-Weltraumteleskop und ein wenig Glück.
In einer aktuellen Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature, analysierte ein internationales Team unter der Leitung von Kimihiko Nakajima von der Universität Kanazawa in Japan eine extrem lichtschwache Galaxie namens LAP1-B. Diese existierte etwa 800 Millionen Jahre nach dem Urknall – eine der chemisch primitivsten Galaxien, die jemals beobachtet wurden.
Ein natürliches Vergrößerungsglas
LAP1-B ist rund 13 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Um ein so schwaches und weit entferntes Objekt zu erfassen, reichen selbst die riesigen, goldbeschichteten Berylliumspiegel des James-Webb-Teleskops allein nicht aus. Der entscheidende Faktor war ein massereicher Galaxienhaufen namens MACS J046, der als Gravitationslinse wirkt. Durch seine enorme Masse krümmt er die Raumzeit zwischen uns und LAP1-B und verstärkt so das Licht der fernen Galaxie wie eine natürliche Lupe.
Diese Entdeckung unterstreicht die einzigartige Fähigkeit des James-Webb-Teleskops, die frühesten Strukturen des Universums zu erforschen. Mit seiner hohen Empfindlichkeit und Auflösung ermöglicht es Einblicke in Epochen, die bisher unzugänglich waren. Die Beobachtung von LAP1-B liefert wertvolle Erkenntnisse über die Entstehung der ersten Sterne und Galaxien – und damit über die Anfänge unseres Kosmos.