Falschinformationen auf TikTok gefährden psychische Gesundheit
Eine neue Studie der University of East Anglia kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Rund 52 % der meistgesehenen Videos zu ADHS und 41 % der Beiträge zu Autismus auf TikTok enthalten ungenaue oder nicht wissenschaftlich belegte Informationen. Die Forscher analysierten Inhalte auf Plattformen wie TikTok, YouTube, Facebook, Instagram und X (ehemals Twitter) und identifizierten TikTok als Hauptverbreiter von Fehlinformationen.
Misinformation breitet sich rasant aus
Die Studie, veröffentlicht im Journal of Social Media Research, zeigt, dass viele Videos auf persönlichen Anekdoten oder vereinfachten Merkmalen basieren – nicht auf klinischen Diagnosekriterien. 56 % der analysierten Inhalte enthielten falsche oder irreführende Aussagen.
„Unsere Arbeit zeigt, dass bis zu 56 % der Inhalte auf sozialen Medien falsch sind. Das unterstreicht, wie schnell ansprechende Videos selbst bei fragwürdiger Qualität viral gehen.“
Eleanor Chatburn, klinische Psychologin an der University of East Anglia
Warum falsche Infos so leicht geteilt werden
Darren O’Reilly, klinischer Psychologe und Mitbegründer von AuDHD Psychiatry, erklärt das Phänomen: TikTok belohne emotionale, leicht verständliche Inhalte – nicht wissenschaftliche Genauigkeit. „TikTok belohnt nicht das Richtige, sondern das Relatable, Selbstsichere und Teilbare“, so O’Reilly. Besonders bei ADHS und Autismus würden komplexe Störungen auf wenige Merkmale reduziert, was die Verbreitung von Fehlinformationen begünstige.
Viele Nutzer:innen würden sich aufgrund solcher Videos selbst diagnostizieren – mit potenziell gefährlichen Folgen. „Betroffene kommen mit einer vermeintlichen Selbstdiagnose in die Praxis, obwohl die Realität oft vielschichtiger ist“, warnt O’Reilly.
Experten fordern bessere Aufklärung
Die Forscher betonen die Notwendigkeit verlässlicher Informationsquellen. Soziale Medien seien zwar eine wichtige Anlaufstelle für junge Menschen, doch die Qualität der Inhalte variiere stark. Ohne zugängliche und seriöse Alternativen verbreiten sich falsche Aussagen ungebremst.
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit, gegen die Flut an Fehlinformationen vorzugehen – insbesondere in Bereichen wie psychischer Gesundheit, wo falsche Diagnosen zu verzögerter Behandlung führen können.