Künstliche Intelligenz (KI) ist zweifellos die meistgehyptete technologische Entwicklung der letzten Generation. Doch die Begeisterung in der US-amerikanischen Öffentlichkeit hält sich in Grenzen. Zwar erkennen viele den Stellenwert der Technologie, doch aktuelle Umfragen des Pew Research Center zeigen: Die Sorgen überwiegen die Vorteile. Besonders kritisch gesehen werden mögliche negative Auswirkungen auf Kreativität, zwischenmenschliche Beziehungen und die Arbeitswelt.

Die Stimmung kippt selbst bei steigender Nutzung. KI wird mit Jobverlusten, Betrug, fragwürdigen Ratschlägen, hohem Energieverbrauch und sogar apokalyptischen Szenarien bis hin zur Auslöschung der Menschheit in Verbindung gebracht. Eine Umfrage von NBC aus dem März ergab, dass 57 % der Befragten die Risiken der Technologie für nicht vertretbar halten – trotz ihres Potenzials.

Doch warum wächst die Skepsis? Ein Grund könnte die Kommunikation der größten KI-Unternehmen und ihrer Führungskräfte sein. Nehmen wir das Beispiel von Anthropic: Das Unternehmen kündigte kürzlich an, den Zugang zu seinem neuen Cybersecurity-Tool Mythos einzuschränken, da es zu mächtig sei und in falsche Hände geraten könnte. Sam Altman, CEO von OpenAI, bezeichnete dies als „ängstliche Marketingstrategie“. Doch nur wenige Wochen später veröffentlichte OpenAI selbst ein neues Sicherheitstool – und schränkte ebenfalls den Zugang ein.

Dieses Muster zieht sich durch die Branche: KI-Firmen scheinen bei jeder neuen Produktankündigung darauf hinzuweisen, wie gefährlich ihre Technologie sein könnte. Zwar ist dies Teil des typischen Hype-Zyklus, und die Unternehmen demonstrieren damit auch ein gewisses Verantwortungsbewusstsein. Doch vielleicht ist genau diese durchgängig pessimistische Haltung der Grund, warum die öffentliche Akzeptanz sinkt. Altmans Haus, das kürzlich mit einem Molotow-Cocktail angegriffen wurde, unterstreicht diese Problematik nur allzu deutlich.

Alarmismus als Markenstrategie?

Die düstere Rhetorik ist weder neu noch auf Einzelfälle beschränkt. Als OpenAI im März 2023 GPT-4 vorstellte, veröffentlichte das Unternehmen einen technischen Bericht, der nicht nur die historischen Fähigkeiten des Modells lobte, sondern auch einen Abschnitt den möglichen Missbrauchsmöglichkeiten widmete – etwa zur Herstellung von Bomben oder gefährlichen Chemikalien. Kurze Zeit später unterzeichneten Hunderte von KI-Forschern und Führungskräften, darunter Vertreter von Anthropic, Google DeepMind und OpenAI, einen offenen Brief, in dem sie vor existenziellen Risiken warnten – vergleichbar mit denen eines Atomkriegs.

Viele KI-Manager fordern zwar staatliche Regulierung, doch die Realität zeigt ein anderes Bild. Der aktuelle Rechtsstreit zwischen Elon Musk und OpenAI erinnert daran, dass das Unternehmen ursprünglich als Non-Profit gegründet wurde – weil die Technologie als zu riskant galt, um allein von profitorientierten Unternehmen gesteuert zu werden.

Es ist verständlich, dass Unternehmen potenzielle Gefahren ihrer Produkte nicht verschweigen dürfen. Doch irgendwann stellt sich die Frage, ob die Marketingabteilungen der KI-Firmen zulassen, dass Angst und Untergangsstimmung ihre Markenpräsenz dominieren. Die Werbekampagnen rund um den Super Bowl 2024 zeigten zwar eine Flut an KI-bezogenen Spots, doch viele davon blieben zu abstrakt („Du kannst einfach Dinge erschaffen“) und hinterließen kaum bleibenden Eindruck. Gleichzeitig fehlt es im Alltag an konkreten Nutzenbeispielen, die das Vertrauen in die Technologie stärken könnten.

Kann die KI-Branche das Ruder noch herumreißen?

Die Branche steht vor einem Dilemma: Einerseits müssen die Risiken transparent kommuniziert werden, andererseits darf die Darstellung nicht in reine Angstmache abgleiten. Die aktuellen Umfrageergebnisse und die wachsende Skepsis zeigen, dass die derzeitige Strategie der CEOs und Marketingverantwortlichen nicht aufgeht. Stattdessen braucht es eine Balance zwischen Ehrlichkeit über die Risiken und einer positiven Vision, wie KI das Leben der Menschen verbessern kann.

Solange die KI-Unternehmen weiterhin vor allem die Gefahren ihrer Technologie betonen, wird die öffentliche Wahrnehmung wahrscheinlich weiter leiden. Die Frage ist nicht, ob KI die Welt verändern wird – sondern wie die Branche diese Veränderung gestaltet und kommuniziert.