Für die 18-jährige Aliyah Pack aus Pennsylvania ist Ablenkung im Unterricht Alltag. Schon ab der Vorschule nutzt sie iPads, wechselt in der zweiten Klasse zu Chromebooks und erhält in der achten Klasse ein eigenes MacBook. Doch für Aliyah, die unter ADHS leidet, gestaltet sich das Lernen am Bildschirm als Herausforderung. Während des Unterrichts schaut sie heimlich Netflix auf ihrem Schul-Laptop – die Kopfhörer versteckt unter ihren langen Locken.
„Es fällt mir extrem schwer, mich in den Schulmodus zu versetzen“, erklärt Aliyah. Ihre Mutter bemerkte den Leistungsabfall und bat die Schule, ihr das Laptop zu entziehen. Doch die Antwort war klar: Das sei nicht möglich.
Elterninitiativen gegen digitale Überflutung
Aliyahs Fall ist kein Einzelfall. Eltern in den gesamten USA kritisieren die zunehmende Bildschirmzeit im Unterricht und fordern eine Rückkehr zu Stift und Papier. In der wohlhabenden Gemeinde Lower Merion Township nahe Philadelphia haben sich über 600 Bürger in einer Petition dafür ausgesprochen, dass Eltern ihre Kinder von der Nutzung digitaler Geräte im Unterricht befreien können. Doch die Schule lehnt dies ab: Eine solche Regelung sei mit dem Lehrplan nicht vereinbar.
Bei einer öffentlichen Sitzung des Schulausschusses betonte die Ausschussmitglied Anna Shurak: „Wir haben keine Option, Technologie aus den Schulen zu verbannen.“ Gleichzeitig diskutiert der Ausschuss über eine Änderung der Richtlinien, die bisher ein Opt-out ermöglichen. Über 100 Eltern protestierten mit Buttons, auf denen „Bildschirme runter, Stifte hoch“ stand.
Keine Ablehnung von Technologie – aber ein Plädoyer für Ausgewogenheit
Die Eltern betonen, dass sie keineswegs technikfeindlich eingestellt seien. Im Gegenteil: Die meisten erkennen an, dass digitale Kompetenzen für die Zukunft ihrer Kinder unverzichtbar sind. Doch sie warnen davor, dass Technologie den Unterricht dominiert.
„Technologie zu lehren ist nicht dasselbe wie Technologie für alles andere einzusetzen“, sagt die Mutter Sara Sullivan. Tatsächlich nutzen Schüler digitale Geräte für Hausaufgaben, Online-Ressourcen und sogar zum Schreiben von Aufsätzen. Doch viele Eltern hinterfragen den Nutzen gamifizierter Lernsoftware.
Subashini Subramanian berichtet, dass ihre achtjährige Tochter mit der Mathe-Lernsoftware DreamBox dazu angehalten wird, Aufgaben möglichst schnell zu lösen, um Punkte zu sammeln. Als sie ihrer Tochter riet, die Aufgaben gründlich durchzudenken, antwortete diese: „Wenn ich alle Schritte mache, dauert es zu lange. Ich muss nur klicken, klicken, klicken.“
Bildschirmzeit auch außerhalb der Schule ein Problem
Viele Eltern berichten, wie sie gegen die Bildschirmabhängigkeit ihrer Kinder kämpfen – nur um festzustellen, dass diese stattdessen auf dem Schul-Laptop YouTube schauen. Adam Washington erzählt, sein Sohn sei so süchtig nach Bildschirmen, dass er ihm manchmal das Handy oder den Fernseher wegnehme. Doch selbst dann nutze der Junge das Schulgerät für Videos.
„Der Bildschirm tötet die Kreativität“, sagt Washington. Die Debatte in Lower Merion zeigt, wie tief die Digitalisierung bereits in den Schulalltag eingedrungen ist – und wie schwer es für Eltern ist, dagegen anzukämpfen.
„Wir müssen einen Weg finden, Technologie sinnvoll einzusetzen, ohne dass sie den Unterricht überlagert.“
– Elterninitiative in Lower Merion