Ein kleines Dorf in Maine hat mit einem KI-generierten Logo für Aufsehen gesorgt – und damit vor allem Widerspruch ausgelöst. Die Gemeinde Newburgh, rund 25 Meilen von der Küste entfernt und mit etwa 1.520 Einwohnern, präsentierte kürzlich auf Facebook einen neuen Entwurf für ihr offizielles Siegel. Doch statt Begeisterung folgte eine Flut von kritischen Kommentaren, nachdem die Stadtverwaltung zugab, dass das Logo nicht von einem Designer, sondern von einer künstlichen Intelligenz erstellt wurde.
Die Reaktionen waren so heftig, dass die Gemeinde den Facebook-Beitrag sowie die dazugehörige Seite inzwischen privat gestellt hat. Der Beitrag selbst hatte noch offen nach Feedback gefragt: „Es ist an der Zeit, unser neues Stadtlogo zu aktualisieren, das wir auf unseren Briefköpfen nutzen“, hieß es laut Bangor Daily News. „Das hier ist das Ergebnis, das ich gemeinsam mit einer KI erstellt habe – ich bin schließlich kein Künstler. Zum Vergleich zeige ich euch auch unser altes Logo. Wir würden gerne eure Meinung hören: Stellt das neue Design Newburgh angemessen dar?“
Das vorgeschlagene Logo zeigt ein Bauernhaus mit einem Silo, umgeben von Hügeln im Hintergrund. Im Vordergrund sind Felder und eine Kiefer – ein klassisches Symbol Maines. Auffällig sind jedoch die Fehler in der Beschriftung: Die beiden „1“ in der Jahreszahl „1819“ stehen auf dem Kopf, und das „I“ in „Incorporated“ wurde durch eine „1“ ersetzt. Diese Ungereimtheiten verrieten schnell die KI-Herkunft des Entwurfs.
Die Bürger zeigten sich wenig begeistert. David Aston, ein Einwohner Newburghs und Inhaber des Timber Hearth Tattoo Co., bot an, ein alternatives Logo zu entwerfen. „Ich finde es wichtig, dass lokale Behörden auf menschengemachte Designs setzen. Das unterstreicht die Bedeutung von Kunst und Gestaltung als gleichwertigen Teil der öffentlichen Verwaltung“, erklärte er gegenüber Fast Company.
Das aktuelle Logo der Stadt zeigt ebenfalls ein detailliertes Bauernhaus, das jedoch bei Verkleinerungen – etwa auf Briefköpfen – unscharf wirkt. Die Schrift ist zudem im Stil von WordArt gestaltet und in einer konkaven Form angeordnet, was den Eindruck veralteter Ästhetik verstärkt. Die Absicht der Stadt, ein neues Logo zu entwickeln, ist nachvollziehbar. Doch die Wahl einer KI als Gestalterin erwies sich als Fehler: Grafikdesign ist ein emotionales Thema, besonders wenn es um das eigene Zuhause geht. Eine KI als Urheberin macht die Akzeptanz noch unwahrscheinlicher.
Eine aktuelle Umfrage des Pew Research Center aus dem März zeigt, dass fast 40 % der US-Bürger Datenzentren als „überwiegend schädlich“ für die Umwelt und die Energiekosten erachten. In Maine ist die Skepsis besonders groß: Im April verabschiedete der Bundesstaat als erster in den USA ein Gesetz, das den Bau großer Datenzentren für über ein Jahr verbietet. Angesichts dieser Stimmung überrascht es nicht, dass ein KI-generiertes Logo auf Ablehnung stieß.
Vertreter der Stadt Newburgh reagierten nicht auf Anfragen zur Stellungnahme. Angesichts der begrenzten personellen Ressourcen – der Stadtmanager übernimmt beispielsweise gleichzeitig die Aufgaben des Schriftführers, Schatzmeisters, Steuerbeamten, Wahlregisters und Sozialhilfe-Verwalters – ist der Rückzug des KI-Logos nachvollziehbar. Die Gemeinde steht nun vor der Herausforderung, einen neuen Weg zu finden, der sowohl die Erwartungen der Bürger erfüllt als auch die begrenzten Kapazitäten berücksichtigt.