Klimainvestitionen jenseits des Mainstreams
Drei Investoren betraten ein Boot – kein Scherz, sondern der Auftakt einer Diskussion auf der San Francisco Climate Week. Im Rahmen von Heatmap House, einer Veranstaltung mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Finanzwelt, ging es um innovative Klimatechnologien. Das Besondere: Die Panel-Teilnehmer setzen gezielt auf scheinbar widersprüchliche oder unpopuläre Ansätze, die andere Investoren meiden.
„Gegen den Strom schwimmen“ als Erfolgsstrategie
Gabriel Kra, Managing Director von Prelude Ventures, brachte es auf den Punkt:
„Dinge, die widersprüchlich wirken, sind quasi unser Geschäft. Manchmal steckt hinter einer Idee, die schlecht aussieht, eine gute.“
Sein Unternehmen finanziert frühphasige Klimastartups, die als „seltsam, nicht konsensfähig oder zyklenfremd“ gelten. Ein Beispiel ist die Investition in Fusionsenergie, lange bevor das Thema in der breiten Öffentlichkeit an Fahrt aufnahm. „Wir haben ein paar Wetten auf Fusion abgeschlossen, bevor der Hype einsetzte“, so Kra.
Kultiviertes Fleisch und KI: Investitionen mit Weitblick
Matthew Nordan von Azolla Ventures geht noch einen Schritt weiter. Trotz Skepsis gegenüber Laborfleisch setzt er auf die Technologie. „Aktuell leite ich eine Investition in Pythag Technologies, ein KI-Unternehmen, das sich auf kultiviertes Fleisch konzentriert“, erklärte er. „Es ist genau der richtige Zeitpunkt, um in solche Felder zu investieren – auch gegen den Strom.“
Unkonventionelle Wege für globale Märkte
Susan Su von Toba Capital ergänzt: „Wir investieren in ungewöhnliche Kategorien und Phasen.“ Ein Beispiel ist Xeno, ein Unternehmen, das elektrische Motorräder für gewerbliche Fahrer in Schwellenländern entwickelt – beginnend mit Ostafrika. Zudem arbeitet Xeno an Energienetzwerken und Batterieaustausch-Systemen für diese Märkte.
Warum scheinbar riskante Investitionen lohnen können
Die Panel-Teilnehmer sind überzeugt: Gerade in der Frühphase von Technologien, die als zu riskant oder unausgereift gelten, liegt das größte Potenzial. „Wenn es echte Durchbrüche gibt, die von traditionellen Investoren noch nicht angegangen werden – sei es wegen des frühen Stadiums, der Komplexität oder der Unkonventionalität – wäre das eine verpasste Chance“, betont Nordan.
Kra ergänzt: „Wir sehen uns als Katalysator für Innovationen, die die Welt verändern können.“
Fazit: Mut zahlt sich aus
Die Diskussion auf dem Boot zeigt: Klimainvestitionen müssen nicht immer den sicheren, etablierten Pfaden folgen. Wer bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen, kann nicht nur finanzielle Renditen erzielen, sondern auch einen Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende leisten.