Drehtage in L.A. auf Rekordtief – die Krise der Filmindustrie

Die bevorstehende Bürgermeisterwahl in Los Angeles rückt die dramatische Situation der Film- und TV-Branche in den Fokus. Die Zahl der Drehtage in Los Angeles County sank 2025 um 16 % im Vergleich zum Vorjahr und fiel erstmals unter die Marke von 20.000. Gleichzeitig lagen die Drehtage in allen wichtigen Kategorien mindestens 30 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Dies unterstreicht den massiven Exodus von Produktionen und Arbeitsplätzen aus der Stadt, da Studios vermehrt Steueranreize in anderen Bundesstaaten nutzen.

Die Kandidaten und ihre Pläne für die Filmindustrie

Die Bürgermeisterwahl im Juni wird entscheidend dafür sein, wie die nächste Führungskraft die Branche unterstützen will. Besonders fünf Kandidaten haben klare Positionen: Bürgermeisterin Karen Bass, die für eine zweite Amtszeit kandidiert, sowie Stadträtin Nithya Raman und der Reality-TV-Star Spencer Pratt. Bass stand in ihrer ersten Amtszeit in der Kritik, da sie erst nach drei Jahren einen Filmbeauftragten ernannte. Nun präsentiert sie ein neues Programm, um Produktionen zurück nach L.A. zu holen.

Karen Bass: Parkrabatte und vereinfachte Drehgenehmigungen

Kurz vor der Wahl stellte Bürgermeisterin Bass am 21. April gemeinsam mit Stadtrat Adrin Nazarian ein Pilotprogramm vor, das lokale Filmproduktionen direkt unterstützen soll. Das Verkehrsdepartment bietet ab sofort 20 % Rabatt auf Parkgebühren in städtischen LADOT-Parkhäusern an. Dies soll die Kosten für Equipment, Trucks, Star-Wagons und Anhänger senken. Das Programm ist eine Erweiterung von Bass’ Executive Directive 11 aus dem Mai 2024, die bereits die Senkung von Drehgebühren am Griffith Observatory und die Wiedereröffnung der Zentralbibliothek für Filmaufnahmen vorsah.

Zitat von Bürgermeisterin Bass: „Ich habe die ersten Filmsteuergutschriften Kaliforniens eingeführt und werde weiterhin alles tun, um die Filmindustrie in L.A. zu stärken.“

Nithya Raman: Fokus auf lokale Arbeitskräfte und Infrastruktur

Stadträtin Nithya Raman kritisiert die bisherige Politik der Stadt und setzt auf eine stärkere Einbindung lokaler Arbeitskräfte sowie den Ausbau der Infrastruktur. Ihr Plan sieht vor, gezielt kleine und mittlere Produktionsfirmen zu fördern und die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften zu intensivieren, um Arbeitsplätze zu sichern.

Spencer Pratt: Steueranreize und digitale Innovationen

Der Reality-TV-Star Spencer Pratt, bekannt aus „The Hills“, fordert eine Ausweitung der staatlichen Steueranreize für Filmproduktionen. Zudem will er L.A. als Vorreiter für digitale Filmproduktion positionieren und Investitionen in moderne Studios fördern, um mit anderen Metropolen wie Atlanta oder Toronto konkurrieren zu können.

Steueranreize als Rettungsanker?

Im vergangenen Jahr erhöhten kalifornische Gesetzgeber den Höchstbetrag des staatlichen Steueranreizprogramms für Film- und TV-Produktionen von 330 Millionen auf 750 Millionen US-Dollar. Seitdem wurden 147 Projekte genehmigt – ein Anstieg von 53 % gegenüber dem Vorjahr. Das Programm umfasst nun auch animierte Produktionen. Die California Film Commission schätzt, dass diese Projekte rund 21.509 Arbeitsplätze und 5,5 Milliarden US-Dollar an wirtschaftlicher Aktivität nach Kalifornien bringen werden.

Jobverluste und die Zukunft der Branche

Doch die Zahlen zeigen auch die dramatischen Verluste: In den letzten zwei Jahren gingen in Los Angeles County über 40.000 Arbeitsplätze in der Film- und TV-Branche verloren. Die Beschäftigtenzahl sank von etwa 142.000 auf rund 100.000 Ende 2024. Die anhaltende Medienkonsolidierung verschärft die Situation zusätzlich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Kandidaten mit ihren Plänen die Branche stabilisieren können.

Fazit: Wer kann die Wende schaffen?

Die Bürgermeisterwahl wird entscheiden, ob L.A. seine Position als weltweites Zentrum der Filmindustrie zurückerobern kann. Während Bass auf direkte finanzielle Unterstützung setzt, fordern Raman und Pratt strukturelle Reformen und höhere Investitionen. Die kommenden Wochen werden zeigen, welcher Kandidat die besten Konzepte für die Rettung der lokalen Filmindustrie hat.

Quelle: The Wrap