Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind seit den 1950er-Jahren in unzähligen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, wasserabweisender Kleidung oder fettdichten Verpackungen enthalten. Doch ihre Beständigkeit macht sie zu einem globalen Problem: PFAS zersetzen sich kaum, reichern sich in der Umwelt an und gelangen sogar in abgelegene Ökosysteme wie die Antarktis – ein Gebiet, das eigentlich als unberührt gilt.
Forschende der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben nun in einer Studie im Fachmagazin „Science Advances“ untersucht, wie PFAS über eine Distanz von 1.200 Kilometern in die Antarktis transportiert werden. Dafür analysierten sie Schneeproben von der Küste bis zum Dome A, dem höchsten Punkt des ostantarktischen Eisschilds (4.093 Meter). Die Proben aus bis zu drei Meter tiefen Schneeschächten geben Aufschluss über die historische Belastung mit PFAS.
Zwei Hauptwege der Verschmutzung
Die Ergebnisse zeigen, dass PFAS auf zwei Wegen in die Antarktis gelangen:
- Atmosphärischer Transport: Flüchtige Vorläuferstoffe wie Fluoralkohole aus Textilien oder Papier zersetzen sich in der Atmosphäre durch Sonnenlicht und Oxidation. Die entstehenden PFAS werden anschließend über Niederschlag in Schnee und Eis abgelagert.
- Meerwasser und Gischt: Stürmische Küstenwinde erzeugen Gischt, die stark mit PFAS angereichert ist. Beim Platzen von Luftblasen in den Wellen reichern sich die Chemikalien in Aerosolen an und werden über weite Strecken transportiert.
Historische Spuren im ewigen Eis
Besonders aufschlussreich war eine Schneeprobe am Dome A: Die Schichten verrieten den Forschern um Studienautor Ian Cousins von der Universität Stockholm den historischen Produktionsverlauf von PFAS. „Es ist faszinierend, dass wir die globale PFAS-Produktion der letzten Jahrzehnte in einem Schneeschacht auf dem höchsten Punkt der Antarktis nachweisen können“, erklärt Cousins.
Die Studie widerlegt damit die Annahme, dass PFAS nur in Küstennähe vorkommen. Vielmehr zeigen die Daten, dass die Chemikalien selbst in den entlegensten Regionen der Antarktis nachweisbar sind – ein Beweis für ihre extreme Persistenz und globale Verbreitung.
Fazit: Globale Herausforderung erfordert globale Lösungen
PFAS sind nicht nur in der Antarktis ein Problem. Sie finden sich in Böden, Gewässern und sogar im menschlichen Blut. Da sie sich kaum abbauen, werden sie oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Die neue Studie unterstreicht, wie wichtig internationale Maßnahmen zur Reduzierung von PFAS-Emissionen sind – denn selbst in der letzten unberührten Wildnis der Erde hinterlassen sie ihre Spuren.