Der Social-Media-Account Libs of TikTok hat sich in den letzten Monaten von einem relativ unbekannten Profil zu einer der einflussreichsten Stimmen der rechten Hetzkampagnen in den USA entwickelt. Nun steht erneut eine Ärztin aus Louisiana im Fokus – ein weiteres Beispiel für die systematische Zielscheibe von zufällig ausgewählten Personen durch den Account.
Tim Miller und Will Sommer, zwei investigative Journalisten, analysieren in einem aktuellen Beitrag die Strategien von Libs of TikTok. Der Account setzt mittlerweile auf ein rotierendes Team von Influencern, die gezielt Empörung produzieren und damit Druck auf Arbeitgeber, Institutionen und Privatpersonen ausüben. Besonders brisant: Die Vorwürfe reichen von angeblicher "Gewalt" bis hin zu moralischer Verurteilung, wobei die Grenzen zwischen berechtigter Kritik und gezielter Denunziation immer weiter verschwimmen.
Ein zentrales Thema der Diskussion ist die scheinbare Obsession der rechten Szene mit dem Thema "Cancel Culture". Obwohl sich die Bewegung selbst als Gegenbewegung zu angeblicher Zensur inszeniert, setzt sie selbst massiv auf die öffentliche Diffamierung und berufliche Zerstörung von Personen, die nicht ihrer Ideologie entsprechen. Die Journalisten werfen der modernen "Free-Speech"-Debatte vor, dass sie oft nur als Deckmantel für gezielte Hetze dient.
Die Entwicklung von Libs of TikTok zeigt, wie Social Media als Waffe im Kulturkampf eingesetzt wird. Aus einem scheinbar harmlosen Account ist eine gut organisierte Maschine geworden, die gezielt Personen des öffentlichen Lebens angreift und damit reale Konsequenzen für deren Leben und Karriere verursacht. Die Frage bleibt: Wie lange kann diese Strategie noch ungestraft weitergehen?