Rechenzentren: Unerwünschte Nachbarn für die meisten Amerikaner

Eine aktuelle Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Gallup offenbart eine klare Ablehnung: Sieben von zehn Amerikanern würden ein Rechenzentrum nicht in ihrer Nachbarschaft dulden. Erstmals hat Gallup die Haltung der Bevölkerung zu diesen riesigen Serverfarmen erhoben – den technischen Grundpfeilern moderner Technologien wie künstlicher Intelligenz.

Hoher Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung

Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie, Wasser und Platz. Trotz ihres hohen Investitionsvolumens schaffen sie vergleichsweise wenige Arbeitsplätze. Zudem gelten sie als problematische Nachbarn: Die Kühlsysteme verursachen Lärm, und viele Standorte nutzen vor Ort Gasturbinen, die Ruß und Schadstoffe ausstoßen. Diese Faktoren führen zu massiver Ablehnung in der Bevölkerung.

Starke Opposition gegen Rechenzentren

Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) lehnt Rechenzentren in ihrer Umgebung „entschieden“ ab. Diese Haltung schlägt sich in konkreten politischen und gesellschaftlichen Widerständen nieder. Laut Data Center Watch, einem Projekt zur Analyse der Branche, führten koordinierte lokale Proteste bereits zur Stornierung von Infrastrukturprojekten im Wert von über 156 Milliarden US-Dollar.

Die neu gegründete Website Data Center Opposition Report dokumentiert zudem 268 lokale Widerstandsgruppen in 37 Bundesstaaten, die gemeinsam mehr als 300.000 Menschen mobilisieren.

Investoren ignorieren Warnsignale

Trotz der klaren Ablehnung in der Bevölkerung setzen einige Entwickler weiterhin auf umstrittene Projekte. Der bekannte Investor und TV-Persönlichkeit Kevin O’Leary plant etwa den Bau eines gigantischen Rechenzentrums in Utah – auf einem Gelände, das mehr als doppelt so groß wie Manhattan ist.

Auf einer öffentlichen Anhörung in der County-Kommission behauptete O’Leary, die zahlreichen Protestteilnehmer seien „professionelle Demonstranten“, die eigens aus anderen Bundesstaaten angereist seien. Kurze Zeit später wiederholte er diese Vorwürfe in einem Interview bei Fox News und ging noch weiter: Er unterstellte den Gegnern seines Projekts, sie seien „Stellvertreter der chinesischen Regierung“ und würden „Falschinformationen verbreiten“. Seine Aussage: „Das ist die KPCh in Aktion. Daran besteht kein Zweifel.“

Widerstand ist typisch amerikanisch

Die Daten zeigen jedoch: Die Ablehnung von hyperskalierten Rechenzentren ist ein rein amerikanisches Phänomen. Lokale Initiativen und Bürgerproteste dominieren die Debatte – nicht ausländische Einflüsse.

„Die massive Opposition gegen Rechenzentren zeigt, wie sehr die Bevölkerung lokale Umwelt- und Lebensqualitätsstandards verteidigt.“