Unsere Politik erinnert an eine schlechte Comedy-Serie – doch manchmal fühlt es sich an, als lebten wir in einem übertriebenen Cartoon. Und jeder gute Cartoon braucht einen Schurken. Doch wer sind diese Schurken? Die Milliardäre, die Millionen Jobs geschaffen, Waren erschwinglicher gemacht und den Zugang zu Informationen revolutioniert haben. Oder etwa doch nicht?
Die Debatte um Steuererhöhungen für Reiche ist ein zentrales Thema der progressiven Politik. Doch der Met-Gala-Auftritt der Superreichen letzte Woche zeigte: Hinter den Forderungen steckt mehr als nur Steuergerechtigkeit. Es scheint eine tiefe, fast schon persönliche Abneigung zu geben. Warum?
Die Met Gala ist der perfekte Schauplatz für solche Kritik: Ein übertriebenes Event, bei dem sich die Superreichen in opulenten Kostümen präsentieren – und in einem Fall sogar ihre eigene Existenz infrage stellen. Doch dieses Jahr war die Gala besonders symbolträchtig, denn sie wurde von Jeff Bezos gesponsert. „Wenn Jeff Bezos 10 Millionen Dollar für die Met Gala ausgeben kann, dann kann er sich auch seinen fairen Anteil an Steuern leisten“, erklärte Senatorin Elizabeth Warren (D-Mass.) in einer der zahmeren Äußerungen.
Senator Bernie Sanders (I-Vt.) ging noch weiter: „Die Realität des heutigen Amerika: Jeff Bezos, mit einem Vermögen von 290 Milliarden Dollar, gibt aus: 10 Millionen Dollar für die Met Gala, 120 Millionen für eine Penthouse-Wohnung, 500 Millionen für eine Yacht. Gleichzeitig plant er, 600.000 Amazon-Mitarbeiter durch Roboter zu ersetzen. Unfassbar.“
Auch Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez (D-N.Y.) äußerte sich kritisch und erklärte gegenüber der Komikerin Ilana Glazer – selbst Millionärin –, dass es unmöglich sei, eine Milliarde Dollar zu verdienen. „Man kann Marktmacht aufbauen, Regeln brechen, Arbeitsgesetze missachten und Menschen unterbezahlen – aber man kann nicht eine Milliarde verdienen“, so Ocasio-Cortez.
Der gemeinsame Nenner dieser Aussagen: Bezos und andere Milliardäre sind nicht nur steuerpflichtig, sondern schlichtweg böse. Sie zahlen nicht zu wenig Steuern – sie sind moralisch verwerflich, sie entlassen Mitarbeiter, sie missachten Gesetze. Doch diese Sichtweise ignoriert die wirtschaftliche Realität. Wie der Ökonom Christian Britschgi von Reason erklärte, ist die Annahme, Reichtum sei per se unmoralisch, ein gefährlicher Irrtum.
Es gibt zweifellos Menschen, die durch Betrug oder Ausbeutung reich wurden. Doch wer ein Produkt schafft, das andere wollen, ist nicht automatisch ein schlechter Mensch. Amazon, gegründet von Bezos, hat den Zugang zu Gütern beschleunigt und oft verbilligt. Mit Stand Dezember letzten Jahres beschäftigte das Unternehmen 1,58 Millionen Menschen. Sollte er wirklich unser Cartoon-Schurke sein?
Auch andere Milliardäre stehen in der Kritik: Sergey Brin und Larry Page revolutionierten mit Google den Zugang zu Informationen – vielleicht sogar den, über den Sie diesen Artikel lesen. Steve Jobs brachte Computer in jeden Haushalt. Sind sie wirklich die Bösewichte unserer Zeit?
Die wachsende Ablehnung gegenüber Reichen ist mehr als nur politische Rhetorik. Sie spiegelt eine tiefe gesellschaftliche Spaltung wider – zwischen denen, die Erfolg als Ergebnis harter Arbeit und Innovation sehen, und denen, die ihn als moralisches Versagen betrachten. Doch eine Wirtschaft, die Reichtum bestraft, statt ihn zu fördern, könnte am Ende mehr verlieren als gewinnen.