Ein Podcast mit teurer Ausstattung – und kaum Zuschauern

Der Washington Post hat mit „Make It Make Sense“ einen neuen Flagship-Podcast gestartet, der vor allem durch provokante Meinungsbeiträge auffallen soll. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Trotz eines Budgets von 80.000 Dollar für die Studioausstattung und einer prominenten Besetzung aus Meinungsmachern bleibt die Reichweite minimal.

Seit dem offiziellen Launch am Montag – einen Tag nach der Ankündigung im Medien-Newsletter Status – wurden bereits über 20 Folgen veröffentlicht. Auf YouTube, wo der Podcast eine eigene Kanal hat, zählt man gerade einmal 515 Abonnenten. Das Launch-Video auf dem Hauptkanal der Washington Post, der über 2,85 Millionen Abonnenten hat, verzeichnete bis Mittwoch nur 1.400 Aufrufe.

Rechte Meinungsmacher – finanziert von einem Milliardär

„Make It Make Sense“ ist Teil einer strategischen Neuausrichtung der Meinungsredaktion unter der Leitung von Jeff Bezos. Die meisten Moderatoren des Podcasts, darunter Meinungsredakteur Adam O’Neal und stellvertretender Redakteur James Hohmann, sind neu eingestellt und sollen eine klare politische Linie vertreten. Die Themen reichen von der Kritik an „leichten“ Hochschulnoten über die angebliche Ungerechtigkeit der Steuerpolitik bis hin zu kontroversen Debatten wie der „Politik der Konversionstherapie“.

Doch die Inhalte wirken oft unvorbereitet und improvisiert. Ein Beispiel: In einer Folge gerät ein Moderator ins Stocken, als er fragt, ob jemals ein amtierender Präsident an einer Supreme-Court-Verhandlung teilgenommen habe. Ein anderer antwortet lapidar: „Ich glaube schon. Ich denke.“ Solche Szenen unterstreichen den Eindruck, dass es hier weniger um fundierte Diskussionen als um gezielte Provokation geht.

Ein Studio mit Cowboy-Bild – aber ohne Publikum

Das neue Studio der Washington Post ist mit Holzvertäfelung, einer Bar, Sofas und einem großen Poster eines Cowboys ausgestattet. Doch die aufwendige Einrichtung steht in krassem Gegensatz zu den Besucherzahlen. Die Video-Redaktion des Post, die vor zwei Jahren noch 60 Mitarbeiter zählte, ist heute auf drei Personen geschrumpft. Die meisten ehemaligen Videomacher haben das Unternehmen verlassen.

Auf Apple Podcasts hat der Podcast gerade einmal vier Bewertungen – im Schnitt 2,3 von fünf Sternen. Die positivste Rezension, zitiert von 404 Media, lautet: „Das ist schlecht, und die Macher sollten sich dafür schämen.“ Auf Spotify liegt die Bewertung bei 2,8 Sternen. Ein Video, das am Dienstag in dem neuen Studio gedreht wurde, erreichte nur 217 Aufrufe. Die wenigen Videos mit dreistelligen Zuschauerzahlen dürften laut Jason Koebler von 404 Media vor allem „Hate-Watches“ sein – also Videos, die aus purer Ablehnung geklickt werden.

Ein Modell, das nicht funktioniert

„Make It Make Sense“ ist kein Einzelfall. Zahlreiche milliardenfinanzierte Medienprojekte mit ähnlichem Ansatz kämpfen mit ähnlichen Problemen: teure Ausstattung, aber kaum Reichweite. Die Inhalte wirken oft wie unvorbereitete Redaktionssitzungen, die einfach gefilmt wurden. Die Strategie, durch provokante Meinungen Aufmerksamkeit zu generieren, scheint bisher nicht aufzugehen.

Die Washington Post investiert damit in ein Format, das weder die Zielgruppe erreicht noch überzeugt. Ob sich das ändert, bleibt abzuwarten – doch die bisherigen Zahlen deuten darauf hin, dass die Strategie gescheitert ist.

„Das ist schlecht, und die Macher sollten sich dafür schämen.“
– Nutzerbewertung auf Apple Podcasts zu „Make It Make Sense“