Im Februar berichteten Mitarbeiter des kenianischen Subunternehmers Sama, die im Auftrag von Meta für die Auswertung von Daten der Ray-Ban AI-Brillen zuständig waren, schwedischen Medien wie Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten von extrem belastenden Inhalten. Dazu gehörten Aufnahmen von Nutzern in intimen Situationen, etwa beim Ausziehen oder auf der Toilette. Ein Mitarbeiter berichtete sogar von der Beobachtung einer Frau, die sich in ihrem Schlafzimmer entkleidete, nachdem ihr Mann die Brille auf einem Tisch liegen ließ.
Die betroffenen Mitarbeiter beschrieben die Situation als psychisch belastend:
„Man weiß, dass man in das Privatleben anderer Menschen schaut, aber gleichzeitig wird einem gesagt, man solle die Arbeit einfach erledigen. Man darf keine Fragen stellen. Wenn man es tut, ist man weg.“
Zwei Monate nach den Enthüllungen reagierte Meta auf die Vorwürfe – allerdings auf fragwürdige Weise. Wie die BBC berichtet, kündigte das Unternehmen seinen gesamten Vertrag mit Sama. Eine kenianische Gewerkschaft wirft Meta vor, dies als Vergeltungsmaßnahme für die Offenlegung der Missstände zu nutzen. Meta selbst bestreitet diese Vorwürfe und erklärte gegenüber der BBC:
- Man nehme die Bedenken der Mitarbeiter „ernst“.
- „Fotos und Videos sind privat für Nutzer.“
- „Menschen überprüfen KI-Inhalte, um die Produktleistung zu verbessern – dafür liegt eine klare Einwilligung der Nutzer vor.“
Sama wies die Vorwürfe zurück und betonte in einer Stellungnahme:
„Sama hat durchgehend alle operativen, sicherheitsrelevanten und qualitativen Standards erfüllt, die von Meta und anderen Kunden verlangt werden. Wir wurden zu keinem Zeitpunkt über Mängel informiert und stehen hinter der Qualität und Integrität unserer Arbeit.“
Die Enthüllungen werfen ein Schlaglicht auf die oft undurchsichtigen Arbeitsbedingungen in der KI-Branche. Bei Sama handelte es sich um Datenannotation, bei der Mitarbeiter Bilder, Videos und andere Inhalte manuell kennzeichnen, um KI-Modelle zu trainieren. Für die Ray-Ban-Brillen soll dies die KI-gestützten Funktionen verbessern. Gleichzeitig wirft der Vorfall erneut Fragen zur Privatsphäre auf: Obwohl die Brillen eine LED-Anzeige haben, die Aufnahmen signalisiert, kann diese deaktiviert werden. Zudem gibt es Tricks, um sie zu verdecken. Einige Nutzer sollen sich der Aufnahmen nicht einmal bewusst gewesen sein.
Ein Mitarbeiter erklärte gegenüber den schwedischen Medien:
„Menschen können Aufnahmen machen, ohne zu wissen, was sie aufnehmen.“
Die Vorwürfe haben bereits politische und behördliche Konsequenzen nach sich gezogen. Die britische Information Commissioners Office kontaktierte Meta wegen der „besorgniserregenden“ Berichte. Zudem kündigte die kenianische Data Protection Commissioner eine Untersuchung zu möglichen Verstößen gegen die Privatsphäre an. Naftali Wambalo vom Africa Tech Workers Movement kommentierte die Situation mit den Worten:
„Diese Vorfälle zeigen, wie die Tech-Industrie in Afrika und weltweit von prekären Arbeitsbedingungen und mangelnder Transparenz profitiert.“