Nach Jahren der intensiven Vorbereitung wird der NASA-Astronaut Anil Menon im Juli 2025 endlich seinen lang ersehnten Flug ins All antreten. Der erfahrene Mediziner und Reserveoffizier der US-Luftwaffe hat eine der ungewöhnlichsten Laufbahnen in der Raumfahrt vorzuweisen: Zunächst arbeitete er als Flugarzt bei der NASA, bevor er 2018 medizinischer Direktor bei SpaceX wurde. Dort forschte er zu den Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper. 2021 wurde er schließlich als NASA-Astronaut ausgewählt.

Während seiner Ausbildung unterstützte Menon auch seine Ehefrau, Anna Menon, die 2024 an einer privaten Raumfahrtmission teilnahm und kürzlich ebenfalls als NASA-Astronautin ausgewählt wurde. Neben seiner Tätigkeit bei der NASA und SpaceX diente Menon zudem als Notarzt in einer Notaufnahme und als Reserveoffizier der Air Force.

Sein bevorstehender Einsatz markiert einen weiteren Meilenstein in der internationalen Zusammenarbeit im All: Menon wird mit zwei russischen Kosmonauten an Bord einer Sojus-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation (ISS) starten. Der Start erfolgt vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Die Mission soll etwa acht Monate dauern – eine seltene Gelegenheit, die langjährige Partnerschaft zwischen NASA und Roskosmos zu erleben.

Ein einzigartiger Blick auf die Raumfahrt

Menons Erfahrung in verschiedenen Raumfahrtprogrammen – von der NASA über SpaceX bis hin zur russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos – verleiht ihm eine besondere Perspektive. Wie er erklärt, fungiert die NASA als eine Art „Brücke zwischen unterschiedlichen Kulturen und Systemen“. Diese Rolle wird besonders relevant, wenn es um zukünftige Missionen zum Mond und darüber hinaus geht.

„Jeder wird den Mond ansteuern, aber die NASA ist diese große Synergie für all das“, sagt Menon. „Sie verbindet die verschiedenen Ansätze und schafft eine gemeinsame Basis für die Zukunft der Raumfahrt.“

Sojus vs. Crew Dragon: Zwei Welten der Raumfahrt

In einem exklusiven Interview mit Fast Company sprach Menon über seine bevorstehende Mission, die Zukunft kommerzieller Raumstationen und die größten offenen Fragen zu den Auswirkungen der Mikrogravitation auf den menschlichen Körper. Dabei ging er auch auf die Unterschiede zwischen der russischen Sojus und dem SpaceX Crew Dragon ein:

  • Sojus: Das Raumschiff, das in den 1960er-Jahren während des Wettlaufs ins All entwickelt wurde, besticht durch seine bewährte Technologie. Viele Systeme sind seit Jahrzehnten im Einsatz und wurden nur minimal verändert, um die Zuverlässigkeit zu gewährleisten. „Man behält, was funktioniert“, erklärt Menon. Die Bedienelemente sind oft einfache Druckknöpfe, und selbst die Sitze sind für kleinere Astronauten ausgelegt – für jemanden mit einer Körpergröße von 1,85 Metern wie Menon ist der Komfort jedoch eingeschränkt. Dennoch: „Es funktioniert. Und das ist das Entscheidende.“ Die Raumanzüge der Sojus nutzen gummiartige Dichtungen, die durch Verdrehen und Festziehen mit Bändern verschlossen werden – ein System, das seit Jahrzehnten zuverlässig seinen Dienst tut.
  • Crew Dragon: SpaceX hingegen setzt auf moderne Ingenieurskunst und digitale Lösungen. Touchdisplays, automatisierte Abläufe und eine komplett neu gestaltete Benutzeroberfläche prägen das Design. Während die Sojus auf bewährte Mechanik setzt, treibt SpaceX die Grenzen des technisch Machbaren voran.

Menons Mission ist nicht nur ein persönlicher Höhepunkt, sondern auch ein Symbol für die sich wandelnde Landschaft der Raumfahrt – eine Mischung aus Tradition und Innovation.