Die Golfregion erlebt ein Jahr der Umbrüche: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) kündigen ihren Austritt aus der OPEC an, Saudi-Arabien stellt seine teuersten Auslandsprojekte ein. Die beiden eng mit den USA verbündeten Staaten stecken in einem erbitterten Konflikt – trotz gemeinsamer Bedrohung durch den Iran.
Die Vision einer stabilen, post-oil-Ära, geprägt von Tourismus, künstlicher Intelligenz und amerikanischem Kapital, scheint gescheitert. Die Milliardeninvestitionen, die US-Präsident Donald Trump während seiner Golfreise 2023 zugesagt hatte, liegen auf Eis. Auch seine Ankündigung eines „goldenen Zeitalters“, finanziert durch Golfgelder, wirkt heute wie eine Illusion.
Trumps Golf-Tour als Höhepunkt einer Ära
Trumps Reise durch den Golf im Jahr 2023 galt als Höhepunkt der Hoffnung auf eine neue Ordnung: Die Region sollte zum Zentrum für künstliche Intelligenz, globale Investitionen und geopolitische Stabilität werden. Doch heute zeigt sich: Diese Vision war möglicherweise der Höhepunkt einer Ära, die nun vorbei ist.
Wie Joe Dominguez, CEO des Energiekonzerns Constellation, gegenüber Axios erklärte, gibt es kaum noch Interesse, 20-Milliarden-Dollar-Datenzentren in Saudi-Arabien oder den VAE zu bauen – seit der Iran mit billigen Drohnen gezielte Angriffe auf Luxushotels und Flughäfen durchführt. Die jahrzehntelang perfektionierte „Dubai-Modell“-Strategie der Golfstaaten, die Stabilität als Luxusgut an Touristen, Expats und Investoren verkaufte, steht damit vor dem Aus.
Saudi-Arabien: Das Ende der Blankoscheck-Ära
Die Entscheidung Saudi-Arabiens, sich aus dem Golf-Sportprojekt LIV Golf zurückzuziehen – nach Investitionen von über fünf Milliarden Dollar seit 2022 – markiert das erste große Opfer der Sparpolitik des Königreichs. Die Ära der unbegrenzten Finanzspritzen für Prestigeprojekte wie Boxkämpfe, Comedy-Festivals oder die futuristische „Line City“ NEOM neigt sich dem Ende zu. Die Vorbereitungen auf die Fußball-WM 2034 laufen unter massivem Kostendruck.
Die VAE hingegen setzen auf Eigenständigkeit: Nach der Ankündigung, die OPEC zu verlassen, wollen sie ihr Öl künftig nach eigenen Regeln fördern. Die Entscheidung fiel am selben Tag, an dem Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) in Dschidda ein Gipfeltreffen der Golfstaaten einberief. Laut einem informierten Teilnehmer war Riad „überrascht und wütend“ über die plötzliche Absage der VAE.
Golfstaaten im Clinch: Öl, Allianzen und persönliche Fehden
Der Bruch der VAE mit dem von Saudi-Arabien dominierten Öl-Kartell OPEC ist nur das jüngste Symptom einer tiefen Rivalität. Die Spannungen zwischen den beiden Staaten reichen von unterschiedlichen Positionen in den Konflikten in Jemen, Sudan und Palästina bis hin zu persönlichen Animositäten zwischen den Führern. Der Krieg im Iran hat diese Risse weiter vertieft.
Während die VAE-Präsident Mohammed bin Zayed (MBZ) zunächst auf eine diplomatische Lösung setzte und Trump vor einem Krieg warnte, drängte MBS zunächst auf eine militärische Eskalation. Doch als die wirtschaftlichen Folgen des Krieges – insbesondere für die Ölwirtschaft – immer deutlicher wurden, suchte Saudi-Arabien nach einem Ausweg. Die VAE hingegen forderten eine kompromisslose Haltung, um zu verhindern, dass der Iran gestärkt aus dem Konflikt hervorgeht.
Qatar und die Folgen des Iran-Konflikts
Auch Katar leidet unter den Folgen: Die Angriffe auf seine Gas-Exporte und jahrzehntelange Versuche, ein Gleichgewicht zwischen den USA und dem Iran zu halten, haben schwere Schäden hinterlassen. Die VAE setzen nun verstärkt auf ihre Abraham-Abkommen mit Israel, das im Krieg erstmals Luftabwehrsysteme lieferte. Saudi-Arabien hingegen sucht neue Partner und nähert sich der Türkei und Pakistan an.
US-Präsident Trump hofft weiterhin auf ein historisches Normalisierungsabkommen zwischen Israel und Saudi-Arabien. Doch seit Beginn des Iran-Kriegs sind die saudischen Ambitionen in dieser Hinsicht deutlich abgekühlt.
„Die Golfstaaten stehen vor der Frage: Wie kann man Stabilität verkaufen, wenn die Region im Krieg versinkt?“ – Nahost-Experte