Elon Musk hat sich in den letzten Monaten radikal gewandelt: Aus einem scharfen Kritiker von Anthropic wurde innerhalb von nur drei Monaten ein Geschäftspartner. Der Grund? Strategische Notwendigkeit im KI-Wettlauf – und ein lukratives Geschäft für SpaceX.

Ein Deal mit doppeltem Nutzen

Die überraschende Vereinbarung zwischen SpaceX und Anthropic dient zwei Zielen: Zum einen kann SpaceX ungenutzte Rechenkapazitäten in bare Münze verwandeln – rechtzeitig vor dem erwarteten Börsengang von SpaceX im Juni. Zum anderen trifft Musk damit seinen Erzrivalen Sam Altman, den Mitgründer von OpenAI, das als größter Konkurrent von Anthropic gilt.

„Elons Feind ist Sam. Darios Feind ist Sam. Der Feind meines Feindes ist ein Rechenleistungspartner“, kommentierte der Tech-Marktforscher Ben Pouladian auf X die ungewöhnliche Allianz.

Anthropic steht unter massivem Rechenleistungs-Druck

Anthropic kämpft derzeit mit einem extremen Engpass an Rechenkapazitäten. Das Unternehmen verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein 80-faches Wachstum bei Umsatz und Nutzung – statt der geplanten Verzehnfachung, wie CEO Dario Amodei auf einer Entwicklerkonferenz erklärte. Diese Nachfragespitze führte zu Nutzungsbeschränkungen, die Kunden verärgerten.

Hier kommt SpaceX ins Spiel: Das Raumfahrtunternehmen stellt Anthropic die gesamte Kapazität seines Colossus-1-Datenzentrums zur Verfügung – mehr als 300 Megawatt neue Leistung (über 220.000 Nvidia-GPUs) sollen innerhalb eines Monats bereitgestellt werden. Die KI-Sparte xAI von Musk, die SpaceX übernommen hat, wird weiterhin den Colossus-2-Supercomputer nutzen.

„Im Rahmen dieser Vereinbarung zeigte Anthropic Interesse daran, gemeinsam an der Entwicklung von mehreren Gigawatt orbitaler KI-Rechenleistung zu arbeiten“, teilte SpaceX in einem Blogpost mit.

Finanzielle Vorteile für beide Seiten

Die Partnerschaft ist nicht nur eine Frage der Rivalität, sondern macht auch wirtschaftlich Sinn. Während xAI mit einer anderen Nachfragestruktur kämpft, hat Anthropic dringenden Bedarf an Rechenleistung.

„xAIs Colossus-1 hatte Kapazitäten, die die Nutzerbasis von Grok nie ausschöpfte“, erklärt Harrison Rolfes von PitchBook gegenüber Axios. Musk hat in der Vergangenheit oft in Infrastruktur investiert, die über den tatsächlichen Bedarf hinausging – etwa 2024, als OpenAI Kapazitäten übernahm, die ursprünglich für xAI gedacht waren.

Durch die Vermietung der ungenutzten Kapazitäten an Anthropic verwandelt SpaceX eine kostspielige, brachliegende Ressource in einen hochprofitablen Umsatzstrom – gerade rechtzeitig für die geplante Börseneinreichung im Juni. So kann das Unternehmen einen Milliardenverlust durch ungenutzte Chip-Kapazitäten vermeiden und stattdessen Anthropic als Kunden präsentieren.

Warum Musk Anthropic nicht einfach ignorierte

Doch die Partnerschaft hätte es nicht gegeben, wenn Musk nicht selbst mit Überkapazitäten kämpfen würde. Laut The Information nutzt SpaceX derzeit nur 11 % der potenziellen Leistung seiner massiven Chipsammlung – unklar bleibt, ob dies an mangelnder Nachfrage, ineffizienter Auslastung oder einer Kombination aus beidem liegt.

Für Anthropic ist die Kooperation ein Rettungsanker: Das Unternehmen kann seine rasant wachsende Nachfrage decken und gleichzeitig seine Kunden zufriedenstellen. Für Musk hingegen ist es ein strategischer Schachzug – sowohl finanziell als auch im Wettstreit mit Altman.

Fazit: Eine Win-Win-Situation mit politischen Untertönen

Die Allianz zwischen SpaceX und Anthropic zeigt, wie schnell wirtschaftliche Interessen persönliche Feindschaften überlagern können. Während Musk und Altman sich weiterhin öffentlich bekämpfen, arbeiten ihre Unternehmen im Hintergrund zusammen – zumindest, wenn es um Rechenleistung geht.

Ob diese Partnerschaft langfristig hält, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: In der KI-Branche zählt am Ende oft nur eines – Wer hat die Rechenpower?

Quelle: Axios