Die kumulierten Nettozuflüsse in US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs haben mit rund 59,7 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekord erreicht. BlackRocks IBIT allein verwaltet bereits 66,7 Milliarden US-Dollar. Doch während die ETFs den Krypto-Markt für institutionelle Anleger zugänglicher machen, verlieren traditionelle Broker wie Morgan Stanley und Charles Schwab wertvolle Kundenbeziehungen – und damit auch Daten und Erträge.

Beide Finanzinstitute beobachten seit Längerem eine starke Nachfrage nach Krypto-Investments innerhalb ihrer eigenen Kundschaft. Doch statt auf externe Plattformen wie Coinbase oder Robinhood auszuweichen, sollen Kunden künftig direkt über ihre Brokerage-Konten handeln können. Bei Charles Schwab halten Kunden bereits etwa 20 Prozent aller US-amerikanischen Spot-Krypto-ETPs. Jeder Handel, den diese Kunden auf externen Plattformen tätigen, bedeutet für Schwab verlorene Provisionen und wertvolle Verhaltensdaten.

Morgan Stanley steht vor einer ähnlichen Herausforderung: Über 8,6 Millionen selbstgesteuerte Kunden bei E*Trade generierten 2025 durchschnittlich 1,029 Millionen tägliche Handelsumsätze – bei einem verwalteten Vermögen von 1,67 Billionen US-Dollar. Die ETF-Ära hat das Problem verschärft: Kunden erhalten zwar Bitcoin-Exposure über vertraute Konten, doch Spot-Trades, Ausführung und Kundenbindung wandern zu spezialisierten Anbietern ab.

Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist

Beide Broker entscheiden sich für den Einstieg in den Krypto-Handel, während reine Krypto-Plattformen wie Robinhood mit sinkenden Handelsvolumina kämpfen. Im ersten Quartal 2025 brach das Krypto-Handelsvolumen in der Robinhood-App um 48 Prozent im Jahresvergleich ein, die Erträge sanken um 47 Prozent. Die Infrastrukturkosten für Krypto-Produkte bleiben jedoch konstant – unabhängig von der Marktlage. Ein Markteintritt während einer Phase geringerer Nachfrage gibt den Compliance-, Preisgestaltungs- und Serviceteams Zeit, Prozesse zu optimieren, bevor die Retail-Nachfrage wieder steigt.

Zudem hat sich die regulatorische Landschaft in den USA deutlich verbessert. Im März 2025 hob die FDIC die vorherige Genehmigungspflicht für zulässige Krypto-Aktivitäten auf. Die OCC präzisierte im Mai 2025, dass nationale Banken Krypto für Kunden halten und ausführen dürfen – vorausgesetzt, sie verfügen über angemessene Risikomanagement-Systeme. Im April 2026 veröffentlichte die SEC eine vorläufige Stellungnahme zu Registrierungsfragen für bestimmte Krypto-Schnittstellen. Diese Klarstellungen ebneten den Weg für den Ausbau von Krypto-Dienstleistungen.

Die Infrastruktur war bereits in Arbeit

Der sichtbare Vorstoß von Morgan Stanley und Charles Schwab ist das Ergebnis monatelanger Vorbereitungen. Morgan Stanleys Krypto-Plan für E*Trade startete bereits im September 2025. Der Launch ist für die erste Hälfte 2026 geplant und soll über die Partnerschaft mit Zerohash erfolgen. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Meilensteine:

DatumEreignisBedeutung
März 2025FDIC hob Genehmigungspflicht für Krypto-Aktivitäten aufBeseitigte ein zentrales regulatorisches Hindernis für Banken
Mai 2025OCC erlaubte Banken den Kauf und Verkauf von Krypto für KundenSchaffte rechtliche Klarheit für den Aufbau von Krypto-Produkten
September 2025Standard Chartered startete institutionellen Spot-Bitcoin- und Ethereum-HandelZeigte, dass große Finanzinstitute über ETFs hinausgehen

Der Schritt von Morgan Stanley und Charles Schwab markiert einen Wendepunkt: Traditionelle Broker erkennen, dass sie ihre Kunden nicht länger an reine Krypto-Plattformen verlieren dürfen. Stattdessen setzen sie auf eigene Lösungen – und holen sich damit einen Teil der verlorenen Marktmacht zurück.