Seit die Verantwortlichen des College-Footballs die NCAA in eine Ära der systematischen Regelbrüche und fragwürdigen Geschäftsmodelle gestoßen haben, wirkt die Organisation in Indianapolis wie ein Schiff ohne Ruder. Die einstige Autorität ist dahin, doch das Geld fließt weiter – besonders im Basketball. Das NCAA-Turnier bleibt die letzte große Einnahmequelle, doch die Expansion auf 76 Teams, die kurz vor der offiziellen Bestätigung steht, wirkt wie ein verzweifelter Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen. Ein Plan, den niemand wirklich wollte, aber der trotzdem kommt.

Mehr Teams, weniger Qualität: Die fragwürdige Logik der Erweiterung

Die NCAA plant, das Turnier von 64 auf 76 Teams auszuweiten – inklusive acht zusätzlicher At-Large-Plätze. Doch statt mehr Spannung droht eine Verwässerung des Wettbewerbs. Die neuen Teams werden voraussichtlich schwächer sein als die bisherigen Teilnehmer, was die sportliche Qualität weiter senken könnte. „Es ist, als würde man einem sterbenden Patienten noch mehr Placebos verschreiben“, kommentiert ein Branchenkenner die Maßnahme.

Die Logistik der Erweiterung ist simpel: Statt vier Play-in-Spiele wird es künftig acht geben, verteilt auf Dayton und eine noch namenlose Location in Utah. Die NCAA betont zwar, dass es sich nicht um „echte“ Turnierpartien handelt – doch für die Fans macht das kaum einen Unterschied. Die Play-in-Spiele wurden schon bisher kaum beachtet, und an ihrer Popularität wird sich mit der neuen Struktur wenig ändern. „Das ist wie der NFL-Spielplan: Niemand will ihn wirklich, aber er wird trotzdem veröffentlicht“, spottet ein Sportjournalist.

Ein verzweifelter Versuch, die Kontrolle zu behalten

Hinter der Expansion steckt vor allem eins: die Angst der NCAA, ihre letzte relevante Plattform zu verlieren. Während College-Football und andere Sportarten längst eigene Wege gehen, bleibt das Basketball-Turnier die letzte große Bühne, auf der die Organisation noch eine zentrale Rolle spielt. Doch statt das Format zu modernisieren, setzt man auf Quantität statt Qualität. „Die NCAA handelt wie ein Konzern, der seine Produkte mit immer neuen Varianten überflutet, um die Kunden bei der Stange zu halten“, analysiert ein Wirtschaftsexperte für Sporteinnahmen.

Die Kritik ist laut: Von Fans über Trainer bis hin zu Medien – viele sehen in der Erweiterung nur ein weiteres Zeichen für die strukturelle Schwäche der NCAA. Statt die wahren Probleme – wie die Ausbeutung von Athleten oder die mangelnde Wettbewerbsgerechtigkeit – anzugehen, setzt man auf symbolische Veränderungen. „Es ist, als würde man ein baufälliges Haus mit neuer Farbe streichen, statt die Fundamente zu reparieren“, fasst ein ehemaliger NCAA-Funktionär zusammen.

Was kommt als Nächstes?

Falls die Erweiterung durchgeht, wird das Turnier ab 2025 mit 76 Teams ausgetragen. Doch die Debatte ist damit nicht beendet. Kritiker fordern längst eine grundlegende Reform – etwa eine Rückkehr zu regionalen Qualifikationskriterien oder eine stärkere Einbindung der Athleten in Entscheidungsprozesse. Doch solange die NCAA an alten Strukturen festhält, bleibt die Expansion nur ein weiterer Schritt in die falsche Richtung.

„Die NCAA hat die Chance verpasst, sich zu reformieren. Jetzt bleibt nur noch der verzweifelte Griff nach mehr Teams – und weniger Relevanz.“

— Sportökonom Dr. Markus Weber
Quelle: Defector