Eine aktuelle Studie kommt zu einem alarmierenden Schluss: New Orleans hat einen „Point of no Return“ erreicht. Ohne drastische Maßnahmen wird die Stadt innerhalb weniger Jahrzehnte vom Golf von Mexiko verschluckt werden. Die Forscher prognostizieren, dass die Region bereits bis Ende dieses Jahrhunderts vollständig vom Meer umgeben sein könnte.
Klimawandel und menschliche Eingriffe als Hauptursachen
Die Bedrohung für New Orleans ist das Ergebnis mehrerer Faktoren:
- Steigende Meeresspiegel: Durch die globale Erwärmung steigt der Meeresspiegel, was die Küstenregionen besonders gefährdet.
- Erosion der Feuchtgebiete: Durch den Klimawandel und menschliche Eingriffe, etwa durch die Öl- und Gasindustrie, gehen drei Viertel der verbliebenen Küstenfeuchtgebiete verloren. Dies führt dazu, dass sich die Küstenlinie bis zu 100 Kilometer landeinwärts verlagern könnte.
- Setzungsbedingte Absenkung: Der Untergrund der Region senkt sich langsam ab, was die ohnehin schon prekäre Situation verschärft.
Historischer Vergleich unterstreicht die Dramatik
Die Forscher verglichen die aktuelle Situation mit einer Phase vor 125.000 Jahren, als ähnliche Temperaturen zu einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels führten. Die Ergebnisse zeigen, dass Louisiana zu den am stärksten gefährdeten Küstenregionen der Welt zählt. Die Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Nature Sustainability, betont, dass selbst eine sofortige Klimaminderung die Stadt nicht mehr retten kann.
„New Orleans ist verloren – die Frage ist nur, wann“
„Aus paläoklimatischer Sicht ist New Orleans bereits verloren. Es geht nur noch um die Zeit.“
Jesse Keenan, Klimafolgenforscher an der Tulane University und Mitautor der Studie
Keenan schätzt, dass die verbleibende Zeit für eine geordnete Evakuierung wahrscheinlich nur noch Jahrzehnte beträgt – nicht Jahrhunderte. Selbst wenn die globale Erwärmung sofort gestoppt würde, sei das Schicksal der Stadt besiegelt. „New Orleans wird vom Meer umgeben sein“, so Keenan.
Levees reichen nicht mehr aus
Seit dem verheerenden Hurrikan Katrina im Jahr 2005 wurden Milliarden in den Schutz von New Orleans investiert – darunter Deiche, Fluttore und Pumpsysteme. Doch die Studie warnt: Diese Maßnahmen reichen langfristig nicht aus. Die Deiche müssten bereits jetzt massiv aufgerüstet werden, um überhaupt noch einen gewissen Schutz zu bieten. Experten gehen davon aus, dass die bestehenden Systeme den steigenden Belastungen durch Sturmfluten und Erosion nicht standhalten werden.
Ungeordnete Abwanderung droht
Louisiana verzeichnet bereits seit Jahren einen Bevölkerungsrückgang. Ohne gezielte Planung könnte dieser Prozess beschleunigt und unkontrolliert ablaufen. Die Autoren der Studie fordern daher sofortige Maßnahmen, um eine geordnete Umsiedlung der rund 360.000 Einwohner New Orleans’ vorzubereiten. Eine solche Evakuierung müsste sorgfältig geplant werden, um Chaos und humanitäre Krisen zu vermeiden.
„Während die Klimaminderung weiterhin Priorität haben muss, hat Louisiana den Punkt ohne Wiederkehr bereits überschritten“, heißt es in der Studie. Die Forscher betonen, dass es nun darum geht, die Folgen so gut wie möglich abzumildern – auch wenn die Stadt selbst nicht mehr zu retten ist.