Ein Bauer erntet 2021 Mais auf einem Feld in Correntina, Bahia, Brasilien. Dort haben Dürren und Hitze die Erträge stark beeinträchtigt. | Dado Galdieri/Bloomberg/Getty Images
Im April 2024 traf eine extreme Hitzewelle Brasilien: Fünf Tage lang stiegen die Temperaturen in zentralen und südlichen Regionen auf Rekordwerte. Viele Gebiete hatten sich noch nicht von einer vorangegangenen Hitzewelle erholt, die bereits im März den Süden des Landes getroffen hatte. In Rio de Janeiro wurde im März 2024 ein Hitzeindex von 62 Grad Celsius gemessen – der höchste Wert seit einem Jahrzehnt.
Diese Ereignisse sind Teil einer langanhaltenden Serie extremer Wetterbedingungen, die eines der größten Agrarländer der Welt seit Jahren belasten. Besonders betroffen sind die wichtigsten Anbaugebiete wie São Paulo, wo die Erträge von Soja und Mais stark zurückgingen. Auch Erdnüsse, Kartoffeln, Zuckerrohr und Arabica-Kaffee verzeichneten erhebliche Verluste. In der zentral-westlichen Region litten Schweine unter extremer Hitzebelastung über Monate. Als ein Kälteeinbruch auf die blockierte Hitzeglocke traf, löste dies in Rio Grande do Sul verheerende Überschwemmungen aus, die die Versorgungskette für Rosa-Garnelen in ganz Brasilien unterbrachen.
Diese Entwicklungen sind in einem neuen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) dokumentiert. Die Studie verbindet Wetterdaten mit landwirtschaftlichen Analysen und zeigt, wie sich extreme Hitze auf das globale Ernährungssystem auswirkt. Gleichzeitig gibt sie Empfehlungen, wie Lebensmittelproduktion in einer Welt mit immer häufigeren Hitzewellen gesichert werden kann.
Brasilien als Fallbeispiel für globale Klimarisiken
Brasilien ist das einzige Land, das in dem 94-seitigen Bericht detailliert als Fallstudie untersucht wird. Die Exporte des Landes stehen besonders unter Druck durch steigende Temperaturen und die schwankenden Wetterphänomene El Niño und La Niña. Doch auch andere Länder werden in der Analyse genannt:
- Chile: 2016 führten erwärmte Meeresströmungen zu massiven Algenblüten, die rund 100.000 Tonnen gezüchteten Lachs und Forelle töteten – das größte Sterben in der Aquakulturgeschichte.
- USA (Pazifischer Nordwesten): Die Hitzewelle 2021 zerstörte komplette Himbeer- und Brombeerernte. Weihnachtsbaumplantagen verzeichneten einen Rückgang des Holzvolumens um 70 Prozent. Durch die Kombination aus Hitze, Trockenheit und Waldbränden verbrannten 2021 in Nordamerika 21 bis 24 Prozent mehr Waldfläche als im Durchschnitt.
- Indien: Nach einer Rekordhitzewelle 2022 brachen die Weizenerträge in über einem Drittel der Bundesstaaten um 9 bis 34 Prozent ein. Milchkühe produzierten bis zu 15 Prozent weniger Milch, und der Anbau von Kohl und Blumenkohl halbierte sich in einigen Regionen.
- Kirgisistan: Im Fergana-Gebirge, einer Region mit ganzjähriger Schneedecke, stiegen die Temperaturen im Frühjahr um 50 Prozent über den Durchschnitt.
Folgen für die globale Ernährungssicherheit
Die Studie warnt: Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen werden in Zukunft häufiger und intensiver auftreten. Dies gefährdet nicht nur lokale Ernten, sondern auch die globale Lebensmittelversorgung. Besonders betroffen sind Länder, die stark von der Landwirtschaft abhängig sind – wie Brasilien. Die Autoren betonen, dass Anpassungsstrategien wie hitzetolerante Sorten, verbesserte Bewässerungssysteme und nachhaltige Landnutzung dringend notwendig sind, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten.
„Die Klimakrise ist keine Zukunftsmusik mehr – sie trifft uns jetzt. Die Landwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen, die nur durch globale Zusammenarbeit und innovative Lösungen bewältigt werden können.“
— Auszug aus dem WMO-FAO-Bericht
Die Ergebnisse unterstreichen, wie dringend Klimaschutzmaßnahmen und Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft weltweit umgesetzt werden müssen, um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern.